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  Amt und Leben


Kirchenamt & Engeldienst
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Aus der Selbstverständlichkeit unseres geistlichen Lebens heraus ergibt sich so manches Mißverständnis – vor allem im Zeugnis und in der Betrachtung des heiligen Amtes. Wir unterscheiden die Ämter und Dienste in der Entsprechung zum Alltag unserer Versammlungen. Sie sind zweigeteilt und doch untereinander verbunden, wie die Einheit (Union) der zwei Naturen Christi in der einigen Erscheinung (Hypostase), oder der beiden Willensfähigkeiten (Thelematismus) mit den zwei Naturen (Physis) unseres EINEN HErrn Jesus.

Das heilige Amt erscheint nämlich in unserem Leben dort, wo das HErrenmahl (hl. Eucharistie oder Abendmahl) gefeiert wird. Daselbst kennen wir in Entsprechung zu Vorbild und Wirklichkeit des geistlichen Amtes 3 Stufen, die Stufen des Diakonats (Diener), des Presbyterats (Priester) und des Episkopats (Bischöfe). Die höchste Amtsstufe – traditionell im Zeugnis des himmlischen Bischofs verstanden – hat die Fülle des eucharistischen Vorstands, an welcher die Presbyter durch die Beauftragung ihrer Bischöfe Anteil erlangen. Nicht die Priester tragen ihren Bischof, sondern ihr Bischof trägt sie, wie im Vorbild des siebenarmigen Leuchters die Mittelleuchte die sechs Arme trägt. In ihrem Auftrag werden die Bischöfe von den Diakonen und Diakonissen getragen, wie der Mittelschaft auf dem Knauf ruht – alles von den Christgläubigen wie die Sohle des Leuchters in Stabilität gehalten. Wir kennen keinen Unterschied zwischen dem eucharistischen Vorstand eines Engels oder eines Apostels. Während die ersteren ein konkretes Bischofsamt ausüben, versehen die Apostel den liturgischen Vorstand im allgemeinen bischöflichen Auftrag (universelles Episkopat). Auch die liturgischen Farben der Gewänder in der Heiligen Eucharistie – weiß für die Feste, violett und rot für Sondertage und Anlässe und schwarz oder grau für die Tage des Fastens, der Buße und der Trauer – entsprechen nicht denjenigen in den Diensten.

Im Engeldienst haben die liturgischen Farben grundsätzlich eine andere Bedeutung: violett zeichnet den Vorstand aus, goldfarbenes Ornat das Apostel- und Ältestenamt, blaues die Propheten, rotes die Evangelisten und weißes die Hirten. Verwirrend mag erscheinen, dass wir hierbei den Engelbegriff verwenden. Denn mit dem „Engelamt“ verbinden wir wortwörtlich das Bischofsamt. Wie in vielen christlichen Bekenntnissen, und in allen des ersten nachchristlichen Jahrtausends, so wird auch in unseren Reihen die liturgische Funktion als der Dienst und die Anbetung der Serafim und der Kerubim verstanden. Somit verstehen wir das Amt eines Engels als Serafinenfunktion, welche in der Vision des Propheten Jesaja (Jes. 5, 1-2) über Gottesthron „schweben“ oder amten – im Auftrag des himmlischen Bischofs. Die Kerubsfunktion ist hingegen mit dem Tragen des göttlichen Throns verbunden, wie es der Prophet Hesekiel bezeugte (Hes. 10, 1ff). Diese Art des Kerubendienstes vergleicht der Psalmist mit der Wandlung der Weihe, wo Gott die Diener zu Feuer und zu Wind macht (Ps. 104, 4), wobei unser HErr Jesus darausfolgernd den geistlichen Dienst dem Wind (dem Werk des Heiligen Geistes) gleichgestellt, der weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht (Joh. 3, 8) – derselbe ist eins mit dem Apostelamt und mit jenen, die sich als apostolisch verstehen und aus dem Geist geboren sind (auch ein Selbstverständnis der kirchlichen Tradition). Serafim und Kerubim stellen geistlich den Engel- und Aposteldienst dar, so dass wir von einem „Engeldienst“ sprechen, und somit erscheinen sie praktisch erst in der außereucharistischen liturgischen Praxis. St. Ambrosius beschreibt dies in seiner Taufkatechese „Über die Mysterien“ (De mysteriis), II. Kapitel (Der Eintritt ins Baptisterium), Absatz 6: – Dort hast du den Diakon, hast du den Priester, hast du den Bischof gesehen. Laß deinen Blick nicht an leiblichen Gestalten, sondern am Geheimnis der Gnade halten! In Gegenwart von Engeln hast du gesprochen, wie geschrieben steht: „Die Lippen des Priesters bewahren die Wissenschaft, und aus seinem Munde erbitten sie das Gesetz; denn ein Engel des HErrn des Allmächtigen ist er“. Da gibt es kein Trügen, kein Leugnen: ein Engel ist‘s, der das Reich Christi und das ewige Leben ankündigt. Nicht wegen seiner äußeren Erscheinung, sondern wegen der Gestalt seines Amtes zollst du ihm Achtung. Was er dir verliehen, das überdenke! Seine Handlung erwäge, aber auch seinen Stand erkenne!

Das Werk der vier Amtsklassen, welches wir „das vierfache Amt“ nennen, erscheint nicht in der heiligen Eucharistie – da dort das Amt in den drei Amtsstufen fungiert – sondern es erscheint in der gebotenen Anbetung Gottes. Ihre Vollendungsfunktion (der vier Amtsklassen) betrachten wir in der Fülle der 24 Priesterklassen. Sowohl alt-, wie auch neutestamentlich, ist dieselbe sichtbar in den „Fürsten des Heiligtums, in den Fürsten Gottes“ (1. Chronik 24, 5) und in den „vierundzwanzig Ältesten“ (Off. 4, 4ff), verbunden mit dem Dienst der „4 Wesen“ (Off. 4, 7ff). Historisch ist es ja bekannt, dass aus den 4 Priesterklassen nach der Rückkehr der Priester aus der babylonischen Verschleppung die 24 Klassen durch 3 Propheten wiederhergestellt wurden, wie dieselben (Priesterklassen) im apostolischen Werk in der Kirche als das heilige vierfache Amt der 24 Kirchenpresbyter wiederhergestellt worden ist.

Erst in der vollen Beachtung des christlichen Gottesdienstes nach der Weise der Eucharistie und nach der Weise der gebotenen geistlichen Anbetung kann die Vollendungsfähigkeit verkündigt werden, welche wirksam ist und den Willen Gottes, unseres himmlischen Vaters, erfüllt.

  Divinale


Apostolische Konstitution des Divinale, oder der göttlichen Dienste, Ämter und Ordnungen

In voller Hingabe unseres Glaubens, Hoffens und unsrer Liebe zu Gott, dem Allmächtigen, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, auch in der Verbundenheit mit den von Gott berufenen und für den Dienst der universalen Kirche 1835 zu London in England ausgesonderten Aposteln des HErrn Jesus Christus, zur Fortführung der reinen und unverkürzten apostolischen Lehre und des katholischen Glaubens, die Regel bekräftigend, dass das Gesetz des Glaubens sei, was gebetet wird, erlassen wir in Gemeinschaft mit allen in das heilige Amt Berufenen und Eingesetzten die liturgische Form der göttlichen Dienste, Ämter und Ordnungen.

Wir zweifeln nicht am göttlichen Auftrag der vor zwei Jahrhunderten ausgesonderten Apostel. Der himmlische Vater begnadete sie in der Kraft des Heiligen Geistes durch den Hohenpriester Jesus Christus mit dem Amt der Wiederherstellung alles dessen, was die Christgläubigen für ihr geistliches Leben bedurften. Sie haben die Herrlichkeit des Höchsten vernommen und dieselbe in Wort und Tat bezeugt. Auch setzten sie die Grenze dessen, was heilig und was nicht heilig ist, indem sie für den Glauben die Bekenntnisse der Kirche bestätigten, das ausführende Taufsymbol (genannt „Apostolisches Glaubensbekenntnis“), das einstimmige (aus dem Konsens festgelegte) Symbol von Nikäa und Konstantinopel und das theologische Symbol von St. Athanasius. Dem Glauben widerspricht, was mit diesen Glaubensbekenntnissen nicht in Übereinstimmung ist.

Das unerträgliche Leugnen der Verdienste des Leidens und Todes Jesu Christi, seiner Gottheit, seiner leiblichen Auferstehung und Himmelfahrt, seiner erlösenden Wiederkunft und unmittelbaren Herrschaft, was zur Gewohnheit vieler Getauften geworden ist, ließ uns dem vernommenen Ruf und der prophetischen Berufung Folge leisten und das Amt der Weihe im Mutterleib annehmen. Unsere Verantwortung beginnt in jener Stunde, wo der Geist der Weissagung das Zeugnis Jesu offenbarte und uns den Gehorsam des Glaubens auferlegte – nicht mit der Stunde des Ablebens des letzten Zeugen der herrlichen Werke, die Gott bis zum Jahre 1901 erwirkte. Denn die unmittelbaren Zeugen des herrlichen Lichtes Gottes des Dreieinigen haben für die Zeit nach ihrem Werk keine Fortführung desselben verfügt und alle unsere leiblichen und geistlichen Eltern der Obhut unserer geistlichen Mutter, der Kirche überlassen. Ihr apostolisches Amt fortzusetzen, haben sie im Lichte der ihnen verliehenen Amtsgnade und des Prophetenzeugnisses ausdrücklich und vehement abgelehnt, so dass wir die Zeit bis zur Wahrnehmung unserer Eigenverantwortung als Lehrperiode verstehen, um alles, was in Übereinstimmung mit dem Glauben der Kirche und der Auslegung der heiligen Schriften der Bibel recht ist, zu erlernen und zu pflegen. Denn nicht zur Schwächung, sondern zur Stärkung des Amtes im Staat und in der Kirche liegt das Zeugnis der Apostel vor. Dasselbe verpflichtet uns auch weiterhin, was in der Kirche Gottes recht ist und in der Übereinstimmung mit obersten Direktiven steht, anzunehmen und zu pflegen, zur Erbauung des Volkes Gottes und zur Erhaltung der Einheit des mystischen Leibes Christi.

In dieser Zwischenzeit veränderte sich das Gesicht Europas und der Kirche – was wir in Unterordnung unter das apostolische Gebot hingenommen haben. Dazu zählt auch die Erfüllung der marianischen Prophetie, welche in jedem Abendgottesdienst auch in der apostolischen liturgischen Weise vorgetragen war und wird: Dass Gott die Mächtigen vom Thron stürzen und die Geringen erheben* wird. Eine Gesellschaftsform, in welcher einzelne Herrscher Souveränität ausgeübt und die Macht nach göttlicher Wahl ausgeführt haben, wurde durch die Souveränität der Staatsbürgerschaft ersetzt, wodurch das vormals geringe Volk in den Wahlen der Leitung der Staaten die göttliche Macht ausübt. Diese Vollmacht genießen nun gesellschaftlich Männer und Frauen gleichgestellt.

Die Überwindung der Herrschaft des Mannes über die Frau kann sich aufgrund des oben genannten göttlichen Werkes und der Erfüllung der biblischen Prophetie nicht nur auf die weltliche Wirklichkeit beschränken; das königlich-priesterliche Geschlecht einigt in sich die Offenbarung der Macht Jesu gesamtgesellschaftlich – er kommt, um die Seinen, die seiner harren, leiblich zu erlösen und um für alle Menschen das Friedensreich seiner Königsmacht in Recht und Gerechtigkeit aufzurichten. Die vormalige Gleichheit von Männern und Frauen in der heiligen Taufe dehnt sich nun auch auf die Gleichstellung im heiligen Stand des Amtes aus, wo zwischenzeitlich Männer und Frauen rechtmäßig auch nach mosaischem Recht die priesterliche Amtsvollmacht auszuüben befugt sind. (Num. 6, 1a & 8 „Wenn ein Mann oder eine Frau etwas Besonderes tun will und das Weihegelübde ablegt ... solange er ein Geweihter ist, ist er dem HErrn heilig.“)

Deshalb ordnen wir im Licht der apostolischen und der prophetischen Gabe an, die göttliche Haushaltung (oikonomia tou theou) der Amtsgnade nach der Form des von uns erlassenen „Divinale“ wahrzunehmen und sich danach zu richten.

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Divinale  Heftausgabe

  Amtsanwärterfragen


Anbietung zum Heiligen Amt

Katechese / Zeugnis / Fragen
Auszug aus der Vorbereitung der Amtsanwärter

Vorwort

Manche haben es im Innersten ihres Herzens nicht verspürt, andere wiederum haben jenen heiligen Antrieb des Geistes der Heiligkeit erlebt, als ihre Herzen zum Herzen des Erlösers, zur vollen Vereinigung gezogen wurden und so lange spürbar berührt waren, bis daraus ein Zeugnis reif wurde – der HErr will mich bei sich haben. Dieses Zeugnis ist lehrreich sowohl für die Nichtberufenen, als auch für die Berufenen, da es als die Stimme des Geistes Jesu den Sinn und die göttliche Absicht für den Kirchendienst heute bedeutet.

Aus der Erfahrung wissen wir, wie sehr gemeinschaftsbildend und doch neu die Begegnung mit Gottes Geist ist. Wir erleben darin keineswegs etwas Zeitliches, sondern etwas Ewiges, einen konkreten Dienst der Vollendeten, die aus dem Raum der Ewigkeit und der Erfüllung der Fürbitte unseres Hohenpriesters (Joh. 17) wirken, dessen hypostatische Erscheinung auch uns zu einem wahren himmlischen und abglanzträchtigen zeitlich-irdischen Amt befähigt. Diese Anbindung an die Vollendung läßt uns die Kräfte der zukünftigen Welt erfahren und verwalten.

Somit sind die Begegnung mit der Stimme des rufenden Gottes, wie auch die Lehren, welche daraus folgern, heilig und erhaben. Zwar ist es schwierig, ohne die vollständige Unterweisung für die hl. Versiegelung das Werk des Amtes zu begreifen, aber eine besondere Vorbereitung für die Amtsanbietung ist lehrreich. Die Katechese der Amtsanwärter unterscheidet sich von jener der Amtskandidaten darin, daß die Glaubensfragen vor der Amtsanbietung ein Herzensanliegen von jenen sind, die sich anbieten möchten. Zur Vertiefung von diesem Erlebnis und zur Überprüfung des eigenen Zurufs sind die nachfolgenden Fragen zu verstehen, sowohl zur Vorbereitung, als auch zur Prüfung der Amtsanwärter. Die vollständigen Fragen der Katechese werden in jedem Land von den Kapiteln der Ortskirchen den Anwärtern gereicht, so daß die aus zwei geistlichen Gebieten zusammengefassten Fragen lediglich als Auszug der erwähnten Katechese verstanden werden wollen, deren erbaulicher Gebrauch von den Geistlichen zu Pfingsten 2011 empfohlen wurde.

uriel, desig. ap.

 

Die Fragen zur Amtsanwärterprüfung

Glaube der Kirche

1. An wieviele Götter glauben wir?
Wir glauben an einen Gott, [eines Wesens, einer Macht und einer Majestät.]

2. Wen verehren wir im Bekenntnis des Dreieinigen [oder der Dreieinigkeit]?
Wir verehren nur den einen Gott, der als Vater, Sohn und Heiliger Geist erschienen ist.
Im Vater bekennen wir den Ursprung von allem, was besteht, [sei es die Quelle der Gottheit (=göttliche Natur Christi), sei es die Quelle des Hervorgangs vom Heiligen Geist (aus dem Vater und dem Sohn), sei es die Engelwelt (Mächte und Gewalten, Heere und Herrschaften...),] allem Sichtbaren und Unsichtbaren.

3. Seit wann gibt es Gott?
Gott gibt es seit immer und ewig [– denn Gott ist anfangslos und ewig, und seine Tage enden nie!]

4. Wann ist Christus, der Gottessohn gezeugt?
Der Sohn Gottes ist vom Vater gezeugt vor aller Zeit. [Er ist Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott vom wahren Gott. Durch Ihn und auf Ihn hin ist alles, was entstanden und was ist, damit alles in Ihm den Anfang und die Vollendung habe.]

5. Wann ist der Heilige Geist hervorgegangen?
Der Heilige Geist ist vor aller Zeit hervorgegangen, [als Licht vom Licht, Wesenseins mit dem Vater und dem Sohn – als der Geist des Vaters und der Geist des Sohnes ist er der Eine, der die Einheit vom Vater und vom Sohn ausmacht;] in Ihm erfahren wir die göttliche Einheit, den göttlichen Sinn und die göttliche Liebe, welche in unsre Herzen ausgegossen ist.

6. Ist Christus ein Abbild des Vaters?
Nein. Christus ist mit dem Vater und dem Heiligen Geist eines [und desselben] Wesens. Als er von Maria empfangen und geboren wurde, [pflanzte er sich selber ein; da durch Ihn, als durch das ewige (ausgesprochene) Wort Gottes alles entstanden (oder erschaffen) ist,] ist er als der Abglanz der göttlichen Herrlichkeit unseres himmlischen Vaters erschienen; wer Jesum erblickt hat, hat den Vater gesehen.

7. Wer ist das Abbild Gottes?
Der Mensch [aus dem Boden, d. h. Adam – der Irdische] ist in seiner Entstehung als [Mann und Männin (iš & iša) / Mann und Frau und als] Abbild Gottes gebildet.

8. Ist der Mensch als das Abbild Gottes vollkommen, wie Gott vollkommen ist?
[Nein.] Der Mensch ist unvollkommen, da er ein erschaffenes irdisches Wesen ist.

9. Ist der Mensch zur Vollkommenheit berufen?
Jeder Mensch ist zur Vollkommenheit aufgefordert. Während wir nach dem ersten Menschen gebildet wurden, werden wir nach dem vollkommenen Menschen [nach dem letzten Adam, dem HErrn Jesus Christus] gestaltet.

10. Was ist der vollkommene Mensch?
Der vollkommene Mensch ist ein himmlisches Wesen; der erste Mensch ist irdisch, da er von der Erde genommen wurde, der vollkommene Mensch ist himmlisch, da er nach Jesus Christus, der vom Himmel kam, gestaltet wird. [Der vollkommene Mensch ist die Kirche, das Volk Gottes, welches bereits jetzt als der mystische Leib Jesu Christi durch das Werk des vierfachen Amtes so gestaltet wird, um Christus als einen vollkommenen Menschen in dieser Welt darzustellen.]

11. Ist die Vollkommenheit der Menschheit sichtbar?
[Nein.] Die Vollkommenheit der Menschheit ist zu dieser Zeit unsichtbar, weil sie vom Werk Gottes und der unsichtbaren Gegenwart Christi her geistlich ist. [Geistlich sind alle Einrichtungen, die uns vollkommen machen, seien es Sakramente, Dienste, Ämter, sei es unser Glauben, Leben und Hoffen – alles in Liebe verbunden, die man nachempfinden, geistlich erfahren, aber nicht augenscheinlich wahrnehmen kann.]

12. Wann wird die Vollkommenheit der Menschheit sichtbar werden?
Die Vollkommenheit des geistlich vollkommenen Menschen wird geoffenbart werden, wenn zu dieser Vollendung der Menschheit Christus in Herrlichkeit erscheinen wird. Die vollkommene Menschheit wird in der Gestalt der Gottessöhne geoffenbart, wie der Sohn Gottes nach seiner Auferstehung geoffenbart wurde.

13. Wie werden die Menschen in Vollkommenheit geoffenbart?
Alle, die der Erscheinung Christi harren und dieselbe erwarten, ob sie gelebt haben oder zur gegebenen Stunde leben, werden durch die Verwandlung [nach Leib, Seele und Geist] geoffenbart.

14. Sind die verwandelten Menschen sterblich?
Die verwandelten Menschen sind unfähig zu sterben, zu leiden oder sonst wie [leiblich, seelisch oder geistlich] krank zu werden.

15. Sind die verwandelten Menschen alt?
[Nein.] Die verwandelten Menschen sind nicht alt, auch wenn sie zeitlich zu unterschiedlichen Zeiten geboren wurden. Sie sind jung, [ihre Jugend wird gemäß der biblischen Verheißung erneuert,] da sie als eine sichtbare neue Schöpfung einem Neuanfang ausgesetzt sind – Gott verhieß, das Antlitz der Erde zu erneuern.

16. Haben die verwandelten Menschen leibliche Bedürfnisse?
Ja. Sie sollen mit dem Erlöser essen und trinken, um die eucharistische Verheißung erfüllt zu erleben – wenn unser HErr Jesus das Mahl neu mit uns feiern wird, d.h. wenn das Reich Gottes kommt. [Das Essen und Trinken drücken die menschlichen Bedürfnisse aus. Wer gespeist wird, um satt zu werden, erfährt auch die anderen Formen der Sättigung, sei es die Betrachtung Gottes, sei es die Gemeinschaft der Erlösten; unser Haupt nimmt uns im ehelichen Bündnis auf, so dass wir erfahren sollen, wie die Braut zur Gemahlin wird.]

17. Gibt es eine geistliche Verwandlung?
Ja. Die geistliche Verwandlung gibt es auch vor der Vollendung. [Die geistliche Verwandlung erleben wir dort, wo uns Gottes Reich im Glauben und im Leben begegnet. Wir erleben die Verwandlung, wenn wir vom Kind zum Erwachsenen werden, aber auch dort, wo uns die Geistesgaben erbauen, sei es in den Sakramenten, sei es im Werk der Geistesgaben (Prophetie, Krankenheilung, usw.), sei es im Gottesdienst und sonst wo, wo wir aus der himmlischen Gesinnung unser Leben ändern.]

18. Sind die Ämter und Dienste Stellvertreter Christi auf Erden?
[Nein.] Sie sind die Zeugen seines Werkes und Handelns, und als Beauftragte in seinem Namen [und im Namen der Kirche] die Nachfolger seines Willens. [In allem was sie reden, denken und tun werden sie mit ihrem Haupt Jesus geeint, um den Willen des himmlischen Vaters zu erfüllen.]

19. Was ist die Aufgabe der Dienste und Ämter der Kirche?
Ihre Aufgabe ist es, die Satzung und den Willen Gottes nach der geistlichen Erkenntnis [des doppelten Zeugnisses der Apostel und Propheten] konkret umzusetzen. Sie üben sich in Enthaltsamkeit, d.h. in der Selbstentäußerung
[Kenose = trotz höherer Erkenntnis und Begabung niedrigere Dienste zu leisten]

als Knechte und Mägde aller. Trotzdem sind sie verpflichtet, auch Unangenehmes zu leisten, dem Wort, der Satzung und dem Willen Gottes Geltung zu verschaffen, indem sie [nach der Weise des vierfachen Amtes und der eigenen kirchlichen Stellung] in Herrschaft verwalten,
[Löwe, Königsmacht Jesu]

in Demut zurechtweisen,
[Menschenantlitz, gemäß der neuen Menschengestalt des fleischgewordenen Christus]

mit Auftrag alles
[Kirche, Gruppen und einzelne Menschen]

erneuern und erbauen,
[Adler, Prophetenmacht in himmlischer Gesinnung]

in Vollmacht belehren und zur geistlichen und leiblichen Opferbereitschaft
[Ochse, Opfertier als Vorbild des Opfers Christi und als Wiederkäuer die Lehrer und Ernährer des Gottesvolkes]

anleiten.

20. Muss jeder, der sich für den Dienst und für das Amt berufen fühlt, dem inneren Zuruf folge leisten?
[Nein.] Da viele berufen, aber nur wenige auserwählt sind, sind wir frei, uns Gott zum Dienst und Amt anzubieten, oder uns in Unterordnung nach dem Vorbild Christi in der Gemeinschaft auszurichten.

21. Was unterscheidet einen Diener von einem Mitgläubigen?
Einen Diener zeichnet sein Gelöbnis aus, kraft dessen wir durch Gottes Segen und Weihe im Kreis unserer Mitgläubigen zu Gottes Zeugen werden. Je nach dem Maß des Segens, der uns zuteil wird, dienen wir im Rahmen unserer Sendung [apostolisch] und machen dem Nächsten Christus erfahrbar und erfassbar. [Die Diener unterscheiden sich durch das ihnen anvertraute Gut (Glauben, Sakramentsverwaltung, Lehre) von den ihnen anvertrauten Mitgläubigen in ihrer Verantwortung, welche ihnen im Segen und in der Weihe von Gott auferlegt wird.]

22. Sind Ämter und Ordnungen heilsnotwendig?
[Nein.] Heilsnotwendig ist Gottes Gnade allein. [Die Heilsnotwendigkeit ist nicht zu verwechseln mit der Vollendungsfähigkeit; vollendungsfähig sind nur jene, die zu den Erstlingen der Auferstehenden durch das heilige Werk des Amtes zugerüstet und vorbereitet werden. Die christliche Kirche ist verpflichtet, für die Vollendungsfähigkeit der Welt und des Gottesvolkes ihren Beitrag im Werk und Zeugnis zu leisten.]

23. Ist die Offenbarung der Gottessöhne heilsnotwendig?
[Ja.] Die Erscheinung der Erstlinge der Auferstehenden ist ein Vorbote der Vollendung aller Menschen und ein sichtbares Zeichen der göttlichen Absicht, alle Menschen zu erlösen. [Durch die Erscheinung der Vollendeten, die grundsätzlich gesamtbiblisch verheißen ist, soll im göttlichen Gericht der Mensch wegen seiner Schwäche nicht unterliegen, sondern wegen der Fähigkeit, christusähnlich zu sein, als göttliches Heilsmittel Recht bekommen. Wenn wir uns nur der eigenen Heilssehnsucht widmen und dieselbe so im Glauben erhoffen würden, wären wir als Menschen nicht christusähnlich. Die Christusähnlichkeit ist die besondere Gabe Gottes, jene heilige Salbung (Christus = Gesalbter), kraft welcher wir zur Nachfolge und zum Heilswerk Jesu als sein heiliger Leib befähigt werden, um selbst Christen, d.h. Gesalbte zu sein, im Werk der Erlösung.]

24. Kann man sich selbst aus dem Glauben vollkommen machen?
[Nein.] Es ist das Werk des [vierfachen] heiligen Amtes, welches die Vollkommenheit vermittelt, um Christus in seiner vollendeten Gestalt darzustellen. [Christus ist in die Himmel aufgefahren, um das All zu beherrschen und um Gaben für die Menschen zu vermitteln; so hat er einige als Apostel gegeben, manche als Propheten, andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi, bis wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen.]

25. Was ist das besondere Heilswerk des heiligen Amtes?
Das besondere Heilswerk des heiligen Amtes ist die Verkündigung der Sündenvergebung. Die Absolution ist jene Vollmacht, welche die Priesterschaft Jesu besonders auszeichnet, da derselben sowohl der Losspruch, als auch die Verweigerung desselben anvertraut worden ist [Schlüsselvollmacht]. [Die Sündenvergebung wird in allen Sakramenten verkündigt, indem dieselbe durch das HErrenmahl mit amtlichem Vorstand (Heilige Eucharistie) besiegelt wird. So wird die heilige Taufe, welche zur Not auch jeder Christ spenden kann, durch die erste Kommunion besiegelt; gleiches gilt für den priesterlichen Dienst der Beichte und der Krankensalbung, welcher in der abschließenden Eucharistiefeier seinen Abschluß findet. Jene, die sich in irgendeiner Form Gott widmen und weihen, werden erst eucharistisch in ihrer Hingabe vollendet. Sowohl die Absolution, als auch die Feier der Heiligen Eucharistie sind nach dem Willen Jesu Christi, unseres einzigen Lehrers, amtsgebunden.]

26. Sind die Träger des heiligen Amtes befugt oder befähigt, die Schuld nachzulassen?
[Nein.] Der Schuldennachlass ist Gott, dem himmlischen Vater, vorbehalten. [Alle Dienste und Ämter des HErrn Jesus Christus leiten alle Mitgläubigen an, im evangelischen Gebet den Vater um den Schuldenerlass anzuflehen, „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“.]

27. Braucht es für die Auferstehung am jüngsten Tag Ämter und Dienste?
[Nein.] Beim jüngsten Gericht, d.h. bei der Auferstehung allen Fleisches, folgen den so Auferstandenen ihre Werke nach. [Es soll aber jedem nach seinem Glauben geschehen, jenen, die mit Christus erscheinen wollen, soll die Erbauung durch das heilige Amt in der Herrschaft Christi erfüllt werden; den anderen, die ihren Glauben anders ausgerichtet haben, wird das, was sie geglaubt haben, zusammen mit ihren Werken angerechnet werden. Die Teilnahme am Tag des HErrn, an der Offenbarung der Herrschaft Gottes, ist Lohn nur für jene, die derselben fähig und würdig sind; daher ist diese sogenannte erste Auferstehung gesetz- und amtsgebunden, und wird gesamtbiblisch bezeugt.]

28. Warum bieten wir uns dem HErrn zum Amt und Dienst an?
Wir bieten uns Gott, dem HErrn, zum Amt und Dienst an, damit andere Menschen an unserem Dank teilhaben. [Wir haben erkannt, dass, wenn wir uns dem HErrn widmen, das, was wir tun und bewirken, allein Er erwirkt, und wir von ihm verpflichtet werden, unseren Dank und Lobpreis durch die Gemeinschaft (und in derselben), welcher wir dienen, darbringen zu lassen. Jedes unserer Werke dient nur dem einen Zweck, Gott, dem HErrn, geweihte Mitgläubige als Lobopfer darzustellen.]

 

Liturgie der Kirche

1. Was ist die Liturgie?
Liturgie ist die öffentliche Ordnung der Gottesdienste. [Das Wort „Die Liturgie“ stammt aus der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes und aus der griechischen Ursprache des Neuen Testamentes der Heiligen Schrift oder der Bibel. Auf deutsch heißt es „der Dienst“. Mit diesem Begriff wird grundsätzlich jeder Priesterdienst bezeichnet, sowohl im Vorhof des Heiligtums und der Stiftshütte, als auch der Dienst am Brandopferaltar, am ehernen Meer, am Leuchter des Heiligtums, am goldenen Rauchopferalter, am Schaubrottisch und im Allerheiligsten an der Bundeslade. Ferner verwendet das Evangelium (und die Apostelschriften) das Wort Dienst, um jedes Gott angenehme Werk zu umschreiben.]

2. Wer hat die Liturgie gestiftet?
Die Liturgie hat Gott gestiftet, indem er durch den Heiligen Geist die Propheten und seine Zeugen anleitete, Lieder, Gebete und Segnungen auszusprechen und aufzuschreiben. Christus verordnete die Liturgie, als er zum Gedächtnis seines Lebens, Leidens, seines Todes und seiner Auferstehung das heilige Gedächtnis der Eucharistie stiftete, bis er kommt in Herrlichkeit. [Die liturgische Stiftung ist ein göttliches Werk, welches in der Anbetung Gottes, im Gebet, in den gemeinsamen Feiern die Menschen heiligt und Gott näher bringt. Sie ist der Ausdruck der Gemeinschaft im Licht, Er, unser Licht, wir, das Licht der Welt; ebenso ist sie der Ausdruck der Einheit in Gott, Er, der Dreieinige, wir sein Volk, in Jesu als Familie geheiligt; nicht zuletzt ist die Liturgie der Ausdruck unserer Vollendung, nämlich unserer schlussendlichen Begegnung mit Gott, die einmal ewig andauern wird.]

3. Hat unser hochgelobter HErr Jesus die Liturgie beachtet?
[Ja.] Unser HErr und Meister Jesus Christus beachtete die Liturgie, als er an den Tempeldiensten zu Jerusalem teilnahm und im Rahmen der synagogalen Liturgie predigte. Ebenso war es der Wille Gottes, das fleischgewordene Wort im irdischen Heiligtum nach liturgischer Vorschrift darstellen und als familiäre Erstgeburt weihen zu lassen. [Konkret ordnete der HErr Christus die liturgische Beachtung, als er seine Worte „Geist und Leben“ nannte. So stiftete er die Sakramente und leitete das gemeinschaftliche Gebet ein, indem er uns das sogenannte HErrengebet übergab. Ferner forderte er alle seine Jünger auf, allezeit oder ständig zu beten und gab in Wort und Werk das Vorbild der Liturgie.]

4. Ist jeder Gottesdienst Liturgie?
[Nein.] Nicht jeder Gottesdienst ist Liturgie. Grundsätzlich wird die heilige Eucharistie als die (göttliche) Liturgie verstanden. Hingegen sind die Gottesdienste jene Versammlungen, welche aus der Eucharistie stammen oder zu derselben hinführen. [In der jüdischen Tradition wird nahezu jede gottesdienstliche Versammlung als Liturgie verstanden. Das hängt zusammen mit dem Verständnis der geistlichen Anbetung Gottes. Auch] wir Christen betrachten den Gottesdienst nicht nur als eine vernünftige Anbetung Gottes, sondern auch als eine geistliche Anbetung mit geistlichen Opfern. Von daher sprechen wir auch von den liturgischen Diensten. Ungebrochene Überlieferung in der Kirche ist aber, zu unterscheiden was Gottes Werk an uns, und was unser Werk an Gott ist. Daher wird die heilige Eucharistie als göttlicher Dienst (thea liturgeia) an uns verstanden und unsere Anbetung als daraus folgender Dienst an Gott gerichtet oder als der Dienst der Nachfolge Jesu (akoluthia) verstanden. Diese beiden Dienstformen werden zwar im Begriff Gottesdienst zusammengefasst, und doch von nahezu allen Christen in oben beschriebener Weise zweifach unterschieden.

5. Welche Worte und Gedanken verwenden wir in der Liturgie?
In der Liturgie verwenden wir Worte und Gedanken der Heiligen Schrift. Die Liturgie ist eine andere Vorleseart der Bibel. Der Vorzug der Liturgie liegt darin, dass wir Worte und Gedanken auf die Weise des Heiligen Geistes vortragen, welche von Ihm folglich unmissverständlich wahrgenommen werden und daselbst im Handeln und Beten dem göttlichen Willen entsprechen. [Der Heilige Geist ist uns gegeben worden, damit unsere Herzen mit Gottes Gegenwart gestärkt und erfüllt seien. Zugleich trägt (und übersetzt) der Geist Gottes die Gedanken unserer Herzen und die Worte unseres Mundes als Seufzer bis zum Thron Gottes. Es steht uns frei, Gott freimütig anzubeten und in jeder Lebenslage zu erbitten, was wir wollen. Die Sakramente sind in der liturgischen Feier aber nur dann wirksam, wenn dabei die göttliche Stiftung beachtet wird. Ebenso sind vornehmlich jene Gebete erhörbar, welche uns Gott in den heiligen Schriften der Bibel zum Zeugnis hinterließ; man kann um alles beten, beim gebotenen Gebet betet man aber nach göttlichem Willen und erfährt eine verheißene Erhörung.]

6. Wie kommen wir dazu, liturgische Gesten, Zeichen und Gewänder zu verwenden?
Der HErr Jesus Christus wirkte durch Gesten und Zeichen und zeigte sich dem Seher seiner Herrlichkeit dem heiligen Johannes in verschiedene [mehrschichtige (=Geschlechter in ihm)] Gewänder gehüllt.

Die Gotteszeugen sahen ebenso die Gesten, Zeichen und liturgischen Gewänder, die Propheten erfuhren dieselben, und die von Gott erwählten Männer und Frauen hinterließen das Zeugnis durch Gesten, Zeichen und Kleidung.

Die Geste der Segnung und des Betens, das Zeichen der Gnadenwerke und Sakramente, die Verhüllung des Leibes und Hauptes sind uns heilig, weil sie vom Heiligen Geist gewirkt und in der Heiligen Schrift überliefert worden sind.

Zeichen, Gesten und Gewänder [haben sich aus verschiedenem Brauchtum entwickelt. Manche der Bräuche sind nützlich, aber nicht nötig, jene aber,] welche biblisch bezeugt sind, sind dort erforderlich, wo unser Glaube zum Ausdruck kommen soll.

Grundsätzlich entsprechen sie dem Verständnis der Hochzeit, wie Gesten, Zeichen und Kleidung in allen Kulturen den geistlichen und leiblichen Umgang der Neuvermählten zum Ausdruck bringen. Die Hochzeit der Kirche mit dem Lamm Gottes, die Vereinigung des Gottesvolkes mit Gott ist die Quelle für das menschliche Verhalten, wo die Geste der Berührung und Segnung, das Zeichen der Gemeinschaft und der Einheit, und die angemessene Kleidung die Begegnung von Gott und Mensch zum Ausdruck bringen.

7. Brauchen wir einen liturgischen Kalender?
[Ja.] Wir brauchen den liturgischen Kalender, um uns auf jene Tage vorzubereiten, die von Gott geboten sind. Die Vorbereitung auf die Festtage und die Feiertage bestehen aus geistlichen Lesungen, Gebeten und liturgischen Feiern.
[Das Hauptfest des Jahres ist das Osterfest. Alle Feiertage, sowohl Fest-, als auch Gedächtnistage führen uns zum Osterfest hin, oder werden von demselben abgeleitet. Es ist das Fest des Auszugs aus der Sklavenschaft, das Fest der Todesüberwindung durch das Leben, der Tag der Auferstehung unseres Erlösers und der ersehnte Tag unserer Verwandlung der Auferstehung ins ewige Leben.
Während Gott von seinem Schöpfungswerk am siebten Tage ruhte, führt uns Christus am achten Tag in die Seligkeit und Herrlichkeit eines nicht endenden achten Tages der Ewigkeit. So feiern wir jede Woche den ewigen Ruhetag eines neuen Lebens, den achten Wochentag der Auferstehung und den ersten Tag einer neuen Woche. Der siebte Ruhetag der Schöpfungswoche mündet im endlosen Ruhetag Gottes. So wird an jedem Sonntag wöchentlich jenes Fest gefeiert, welches den Jahreskreis aller Feste an einem einzigen Hochfest zusammenfasst – am Ostertag.
Zum Ostertag leiten uns die Gedächtnistage der Fleischwerdung, der Beschneidung und der Darstellung Christi an, um durch die Betrachtung seines Lebens und Todes das Ostergeheimnis zu begreifen.
Die Osternacht selbst verkündigt die Nacht der Befreiung aus der Sklavenschaft der Herrschaft des Todes, wie einst die Israeliten aus Ägypten durch das Rote Meer auszogen, so feiern auch wir durch Christi Auferstehung in unserer Taufe den Einzug ins ewige Leben eines gelobten Landes.
Auf dem Osterfest gründen sich die übrigen Feste des Jahres, wie das Himmelfahrtsfest der Entrückung Christi und der Christenheit, das Pfingsthochfest der Salbung und Herabkunft des Heiligen Geistes, so wie die übrigen Feste (Engelfest und Gedächtnistag Allerheiligen, aber auch alle Quatembertage und sonstige Gedächtnis- und Feiertage).]

8. Was ist eine Oktave?
Eine Oktave ist eine achttägige geistliche Feier. In den Festoktaven feiern wir Hochfeste acht Tage lang, wie z.B. Weihnachten, die Darstellung Jesu im Tempel, Ostern, Pfingsten und Allerheiligen. [Mit Ausnahme der Pfingstoktave, welche im Ornat der Amtsfarben begangen wird, feiern wir alle übrigen Feste im weißen Ornat; unter der Farbe des Ornats verstehen wir sowohl die Kleidung der Fungierenden im Gottesdienst, als auch den gesamten Kirchenschmuck, wie Altartücher, Abdeckungen der liturgischen Geräte und Gestelle (Tische, Lesepulte usw.).]

9. Was nennen wir liturgisches Gerät?
Alle Gefäße in welchen eucharistische Gaben oder geweihte Öle getragen oder versorgt werden, wie z.B. Patenen, Kelche, und Ölgefäße. [Zu den liturgischen Geräten zählen wir aber auch die Leuchter, welche in unseren Gebetsräumen aufgestellt werden, wie auch weitere Gefäße und Hilfsmittel, die liturgische Verwendung finden, wie z.B. Kannen, Ciborien, Zangen, Weihrachfässer, Weihrauchschiffchen, Amtsstäbe uvm. Die liturgischen Geräte werden nach göttlicher Weisung mit heiligem Öl geweiht und sind göttliches, resp. gesamtkirchliches Eigentum, welches wir als Leihgabe verstehen. Jene Geräte, welche lediglich dem Gottesdienst gewidmet werden, sind für den außerliturgischen Brauch bestimmt, wie z.B. Ölgefäße für die Katechumenen- und anderen außerliturgischen (Ex-)Salbungen.]

10. Welche liturgische Bedeutung hat der Altar in unserer Mitte?
Der Altar in unserer Mitte stellt Christus dar. [Die heilige Stätte unseres Dienstes und unserer Anbetung deutet hin auf den Ort, wo Gottes Herrlichkeit herabkommt und heraufsteigt. Die Heiligkeit des Altars gebietet, dass auf ihm nichts Überflüssiges abgelegt werden darf, sondern nur das für die Liturgie Erforderliche (somit keinerlei Blumenschmuck oder Kerzen). Er wird mit einer Verneigung und mit einem Kuss geehrt, wie wir unseren HErrn Christus beehren.]

11. Was ist ein geistliches Opfer?
Das geistliche Opfer ist die geforderte Ehrung des Höchsten. Gott ehren wir am Altar mit der körperlichen Haltung, entsprechender Kleidung und dem Zeugnis der Lippen (Gebet, Lobpreis, Lesung, Segnung und Absolution). [Unser Heiland stellt die Regel auf, wer Gott anbeten will, der bete ihn an im Geist und in der Wahrheit. Das Lobopfer unserer Lippen, die seinen Namen preisen, erfüllt die gesetzlich geforderte Anbetung. Einen besonderen Wert der geistlichen Opfer haben die Sündenbekenntnisse und geistliche Lesungen am Altar. Wir unterscheiden gebotene von freiwilligen geistlichen Opfern. Zu den gebotenen geistlichen Opfern zählt man Dank- und Lobpreisung, zu den freiwilligen gehören Gebete und Nahungen des Altargangs. Alle materiellen Opferhandlungen des Alten Testamentes haben einen prophetischen und in Christo vollendeten Ausdruck in der geistlichen Gestalt des Opfers der Lippen und stellen vor Gott das gesamtbiblische Zeugnis der Anbetung dar.]

12. Was ist ein liturgisches Speisopfer?
Ein liturgisches Speisopfer ist der Verzicht, göttliche Äußerungen (Lesung und Prophetie) zur sofortigen Auslegung (sofort auslegen zu wollen) zu vernehmen. Aus der geistlichen Enthaltsamkeit heraus sind wir fähig, unmittelbar geistlich Gott zu begegnen, um auch geistlich vom Geist Gottes belehrt zu werden. [Unser Verstand und bewusste Handlungen erfahren dadurch eine vollkommene Anleitung für das praktische Leben. Wenn wir die heiligen Schriften und prophetischen Äußerungen ohne diese liturgische Enthaltsamkeit vernehmen, laufen wir Gefahr, fleischlich zu denken und zu handeln. Indem wir unserem Geist die Gelegenheit bieten, dem Geist Gottes unmittelbar zu begegnen, werden wir fähig, aus unserer Gotteserfahrung Gott zu dienen und ihn angemessen zu bezeugen. Zu geistlichen Speisopfern zählen aber auch die Glaubensbekenntnisse der Kirche. Wir unterscheiden zwei Arten der Glaubensbekenntnisse: das ausführende Taufbekenntnis, genannt Apostolisches Glaubensbekenntnis und das Bekenntnis der Glaubensübereinkunft von Nicäa und Konstantinopel. Obwohl jeder von uns eine eigene Glaubenserfahrung und Ansicht hat, suchen wir im Glaubensbekenntnis den gemeinschaftlichen Ausdruck des Glaubens – Gemeinschaft mit vorangegangenen, mit lebenden und mit noch nicht wiedergeborenen Mitchristen. Dieses Speisopfer der Gemeinschaft vertieft das obgenannte geistliche Speisopfer.]

13. Was ist ein liturgisches Trankopfer?
Das liturgische Trankopfer sind die biblischen Lieder und Gesänge, Kantika und Psalmen. [Zwar wird jedes Lied, das man zu Gottes Ehre singt als ein geistliches Trankopfer verstanden, der Lobpreis und die Psalmen jedoch haben eine liturgische Bedeutung, da sie vom Heiligen Geist erwirkt worden sind. Zum geistlichen Trankopfer können auch die Psalmlieder gezählt werden, jedoch nicht die Hymnen, welche als geistliches Glaubenszeugnis im Gotteslob zu verstehen sind.]

14. Welche liturgischen Formen der Verkündigung kennen wir?
Wir verkündigen Christus beim Vorlesen der Evangelien, wobei Christus wahrhaft seine Gegenwart gewährt. In den Homilien wird Christus jedem Herz verkündigt, in der Predigt jeder Seele und dem Verstand und in der Betrachtung jedem Geist.

[In jeder Vorlesung der Heiligen Schrift begegnet uns eine Gotteserfahrung von den Menschen, welche dieselbe aufgeschrieben haben. Diese Vorlesungen haben aber keinen verkündigenden Charakter. Während das Evangelium in der Verkündigung den ganzen Menschen nach Leib, Seele und Geist anspricht, haben die übrigen Formen der Verkündigung die Aufgabe, Gott auf unterschiedliche Weise näher zu bringen. In der Homilie soll das Echo der Worte Christi vom Herzen die Herzen ansprechen, wo der Heilige Geist ausgegossen ist, um uns geistlich mit Christus zu einen.

Die Betrachtungen in den Tagesdiensten beeinflussen hingegen unsere leiblichen und geistlichen Handlungen, damit unser und sein Zeugnis geeint seien.

Die Predigt sollte nicht mit einer Belehrung verwechselt werden; während wir in der Belehrung unterwiesen werden, legt uns eine Predigt die Schriftworte aus und bringt uns Gott näher durch die Erfahrung seiner Worte. Die Erfahrung kann sowohl den Verstand erbauen, aber auch unseren Seelen Ruhe verschaffen.]

15. Ist Christus in dem hochheiligen Altarsakrament wahrhaftig anwesend?
[Ja.] Christus ist in dem hochheiligen Altarsakrament gemäß seiner Verheißung bis ans Ende aller Tage wahrhaftig gegenwärtig. In der Gestalt des Brotes und der Gestalt der Verbindung von Wein und Wasser vergegenwärtigt er kraft seiner Verdienste Gott in unserer Mitte, wie durch seine in die Himmel aufgenommene Menschennatur wir vor Gottes Thron vergegenwärtigt werden. Darum nennen wir das hochheilige Altarsakrament das Allerheiligste. [Die Darstellungsbrote in der Stiftshütte sind bereits eine Einrichtung der Gegenwart des Gottesvolkes im göttlichen Heiligtum. Sie vergegenwärtigen die zwölf Stämme Israels sowohl auf die Weise der Väter (Abraham, Isaak und Jakob), wo vorangehende Geschlechter vergegenwärtigt wurden, als auch auf die Weise der Kinder Israels (12 Stämme), wo die Lebenden vor Gott dargestellt wurden, als auch auf die Weise der Kirche (die Ausgerufenen), die noch geboren werden sollten. So ist die Gestalt der Heiligen Eucharistie als eine ewige Einrichtung zu verstehen, in welcher das vollendete Gottesvolk mit dem Vollender, mit dem Gottessohn nämlich die Vollendung vergegenwärtigt, die Einheit zwischen Gott und Mensch, die sich in Christo offenbarte. So erfahren wir in dem allerheiligsten Sakrament sowohl die Gemeinschaft untereinander, als auch mit unserem Gott, wie in Christo die menschliche und die göttliche Natur geeint geglaubt werden.]

16. Wie ehren wir die sakramentale Gegenwart Jesu im Allerheiligsten?
Die allerheiligste Gegenwart Jesu ehren wir durch das Feuer der Sakramentslampe, durch deren Anblick wir zur Verehrung Jesu aufgefordert werden. Seine Anwesenheit verehren wir durch Verbeugung oder Kniebeuge und Gebet. Wenn wir das geweihte Sakrament seines Leibes und Blutes erblicken, knien wir uns nieder und verehren die Gegenwart der göttlichen Erscheinung. [Die eucharistische Gegenwart vermittelt uns die Anwesenheit des Höchsten in unserer Mitte. Sie ist Unterpfand aller unserer Handlungen und Gebete, so dass wir nicht vor Brot und Wein, sondern vor Gott und Mensch, vor unserem HErrn Jesus Christus niederfallen und den Dreieinigen im Himmel anbeten.]

17. Weshalb verhüllen wir das Altarsakrament?
Wir verhüllen das Altarsakrament, weil wir daselbst an eine nichtmaterielle geistliche Anwesenheit (Realpräsenz) Jesu glauben.

[Während wir die Heilige Kommunion unverhüllt empfangen, stellen wir im Gottesdienst das Sakrament zugedeckt vor Gott dar.

Das Schaubrot unseres Glaubens ist der Leib Christi, das Schaubrot für die Augen Gottes, damit wir durch Christus geschaut werden.

Der Kelch der Darstellung ist ein Pfand der Liebe Christi, seiner Hingabe bis zum Tod, das gerechte Blut, welches bis zum Himmel schreit, um unsere Gebete zu bekräftigen.

Auch wenn wir das Heilige Sakrament entfernen, verhüllen wir es zusätzlich, bis alle Hüllen einst wegfallen und wir den verherrlichten HErrn in Wirklichkeit und Wahrheit unverhüllt erblicken.]

 

Sind diese Fragen ein Sonderglaubensgut unserer geistlichen Gemeinschaft?
[Nein.] Sie waren und sind die Hoffnung der Kirche von Anfang an, bezeugt mit dem Blut der Märtyrer und im Zeugnis der Väter bis zu unseren Tagen. Sie sind der Ausdruck der Einheit aller, die ihren Glauben auf der herrlichen messianischen Offenbarung bauen.