Heiligtum

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  Priesterdienst & Liturgie


Wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres HErrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe.“ (2. Pt. 1,16)

Der Lobpreis   ur

Alles und jeder, den der Odem Gottes anhaucht, erfährt die Herrlichkeit Gottes auf eine schwer  zu beschreibende Weise; es ist meistens ein himmlisches Ereignis in unserem Leben, verbunden mit dem Bedürfnis, Gott anzubeten und zu preisen. Es mag durchaus sein, dass uns  eine Predigt, ein geistliches Zeugnis oder eine Liebestat des Nächsten in dieser Gotteserfahrung bestärkt – schließlich glauben wir ja auch, in der Liebestat am Nächsten dem HErrn Jesus zu dienen, ob wir jemandem geistlich oder materiell helfen, oder von Christus Zeugnis ablegen, indem wir Gnade, Friede und Heil bekunden. Diese Gotteserfahrung leitet viele mitgläubige Christen dazu an, zum Gebet und Lobpreis, zur Anbetung und Ehrung Gottes zusammenzukommen und in der Versammlung zu beten und zu singen. Den Verlauf solcher Anbetung können keine vorgefassten oder vorgesetzten Ordnungen bestimmen, selbst auf die Knie zu fallen, und zu sagen – „Dich, o himmlischer Vater, bete ich an, verherrliche und lobpreise ich“, ist Gott wohlgefällig und angenehm. Trotzdem ist dies nicht das, was wir Christen für den Lobpreis Gottes halten! Es entspricht nicht dem Auftrag Jesu (Mt. 5, 48) – Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist. Denn meistens sind es Erfahrungen und Zeugnisse, welche aus einer persönlichen Sichtweise stammen und von Einzelnen, wie auch von Gruppen gerechterweise für unser tägliches Leben erbaulich sind. Der Lobpreis der Erlösten besingt jedoch nicht unsere persönliche und private Sicht der Gotteserfahrung! Nach biblischem und in der Kirche Jesu bezeugtem Prinzip ist es die Liturgie, in welcher Gott gepriesen werden möchte, ein Ausdruck der Gemeinschaft im göttlichen Hauch, im Heiligen Geist, dessen Zeugnis und Werk uns sowohl in der Erkenntnis, als auch in der Anbetung einigt, wie es auch der Seher Johannes bezeugt: – Dann sah ich ein anderes Zeichen am Himmel, groß und wunderbar. Ich sah sieben Engel mit sieben Plagen, den sieben letzten; denn in ihnen erreicht der Zorn Gottes sein Ende. Dann sah ich etwas, das einem gläsernen Meer glich und mit Feuer durchsetzt war. Und die Sieger über das Tier, über sein Standbild und über die Zahl seines Namens standen auf dem gläsernen Meer und trugen die Harfen Gottes. Sie sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied zu Ehren des Lammes: Groß und wunderbar sind Deine Taten, HErr, Gott und Allherrscher über die ganze Schöpfung. Gerecht und zuverlässig sind Deine Wege, Du König der Völker. Off. 15, 1-3

Als wir zum Glauben kamen, überzeugten uns nicht die „klug ausgedachten Geschichten“, auch dann nicht, wenn wir aus Treue zu unserer christlichen Tradition den Glauben bekannten, sondern die Erfahrung Gottes, der konkret in Erscheinung getreten ist, nicht nur in unseren alleinigen Lebensumständen, sondern vor aller Augen! Bereits als Gott das irdische Wesen (hebr. adam) des Menschen (hebr. isch) gebildet, ist er erschienen, sowohl vor, als auch nach dem Sündenfall, aber auch als das Opfer Abels Annahme fand. In Abraham wurde dieses Geschlecht kraft göttlichem Werk und Offenbarung geheiligt, als der Sohn der Verheißung (Gal. 3, 6) geboren wurde. Mose sah die Herrlichkeit Gottes (gr. Doxa / hebr. Qawod), ließ sich anleiten und unmittelbar priesterlich (Mose und Aaron sind unter seinen PriesternPs. 99, 6) aussenden, um das Volk Israel angesichts der Großtaten Gottes in die Freiheit herauszuführen und im Bündnis mit dem handelnden Gott ein ewiges Zeugnis über die priesterliche und königliche Weihe desselben Volkes abzulegen: – in einem prophetischen Lied, welches selbst die vollendeten Erlösten vor dem Thron Gottes in Herrlichkeit singen sollen. Immer, wenn vom Lobpreis in den Psalmen, prophetischen Büchern und anderen biblischen Texten die Rede ist, ist der bezeugte und vorgetragene Lobpreis gemeint, welchen der Heilige Geist erwirkt und gegeben hat. Solche Lobpreisungen sind heute in nahezu allen menschlichen Sprachen nachlesbar, und da sie aus Gott stammen, sind sie in Vollkommenheit das Opfer des Lobes, nämlich die Frucht der Lippen, die seinen Namen preisen (Hebr. 13, 15).

Somit ist die Liturgie nichts anderes, als eine andere Art, die heiligen Schriften der Bibel im Gesang und Gebet vorzutragen. Heilige Liturgie sagen wir, weil ER, unser Gott heilig ist, und uns Gnade schenkt, auf diese priesterliche Weise die Gemeinschaft auch mit IHM zu erleben und mit vollkommenen Opfern IHN zu ehren! Nebst den Psalmen und den erwähnten Lobpreisungen sprechen wir gemeinsam und einzeln die Bitten, Gebete, Danksagungen und Fürbitten, welche aus biblischen Worten und Gedanken zusammengesetzt sind; und auf priesterliche Weise wirken wir als Diener Christi Jesu im Werk des Evangeliums Gottes, denn alle sollen zu einer Opfergabe werden, die Gott gefällt, geheiligt im Heiligen Geist (Röm. 15, 16).

Es ist derselbe Geist, der den Gottessohn mit dem Vater eins macht und durch die Kraft unzerstörbaren Lebens (Hebr. 7, 16) ins ewige Priestertum eingesetzt hat, wodurch wir den Geist der Priesterschaft empfangen, ob nach der Weise Moses unmittelbar oder nach der Weise Aarons mittelbar. Kraft dieser priesterlichen Gnadengabe (Charisma der Amtsgnade) feiern wir Gott im liturgischen Dienst und bringen den Lobpreis dar:

(Ex. 15, 17b-18)

Einen Ort, wo Du | thronst, o HErr, * den | hast Du Dir bereitet; * ein Heiligtum, HErr, haben Deine Hän|de gegründet. * Der HErr ist König | für immer und ewig.

*
Nulla ecclesia sine episcopo! =
Keine Gemeinde ohne Bischof!

- Dies ist eine urkirchliche Regel, in welcher Cyprian das Zeugnis der sog. apostolischen Väter (Ignatius von Antiochien und Polykarp von Smyrna), von den Aposteln der Urkirche geweihten Bischöfe zusammenfasste. Obwohl diese Regel an sich späteren Datums ist, da sie das Zeugnis eines der 7 Engel Kleinasiens einschließt, wird sie einer urkirchlichen Regel entsprechend gleichgeachtet, welche besagt:

Wo ein Bischof ist,
dort ist Christus’,
und wo Christus ist,
dort ist die katholische Kirche!

Jetzt aber seid ihr heimgekehrt zum Hirten und Bischof eurer Seelen. - 1. Pet. 2, 25b

Sakramentsgestell
Altarraum Pfeilerkapelle

  Liturgisches Heiligtum


Das Heiligtum im liturgischen Dienst der Kirche
   ur.

1. Vorwort

Wir haben ein Heiligtum, welches unser HErr Jesus Christus in seiner Auferstehung "kraft unzerstörbaren Lebens" priesterlich betrat. Es ist kein von Menschenhand errichtetes Heiligtum – sondern das Heiligtum der Himmel. Auch das Allerheiligste betrat er, als er zur Rechten Gottes des Vaters emporgehoben wurde, in das Heilige der Heiligtümer, in den Himmel der Himmel, um als König bei seiner Himmelfahrt eingeführt zu werden, denn alleine Ihm gilt das Wort: "Es sprach der HErr zu meinem HErrn, setze Dich zu meiner Rechten!"

Derjenige, welcher leiblich den dritten Himmel betrat, das Allerheiligste der zeitlosen Wohnstatt Gottes, die himmlische Friedensstadt – das Jerusalem der Himmel, in welchem es keinen Tempel gibt, wo Gott ursprungslos und in zeitloser Unendlichkeit ist, "der da ist", derselbe Erlöser tritt hervor, um im himmlischen Heiligtum als das Lamm, welches geschlachtet ward, die Verdienste seiner Liebe und Hingabe darzustellen. Unser Gott steigt hypostatisch herab, in der Kraft des Heiligen Geistes, um am Himmelsthron die Vermittlung seines göttlichen Sohnes abzunehmen, die Fürsprache für alle erschaffenen Wesen an allen Orten seiner göttlichen Herrschaft. Denn seine Absicht ist es, auch das himmlische Jerusalem herabzuführen, um die Zeit, Schmerzen und Leid mit seiner göttlichen Herrlichkeit zu überwinden.

Deshalb ist auch der Messias, der Gesalbte – Christus herabgestiegen, um alle Kreatur für die Erscheinung Gottes zu bereiten, um alle untereinander und mit Gott zu versöhnen. Seit der endzeitlichen Ausgießung des Heiligen Geistes am 50. Tag nach der Auferstehung kommt er zu uns – in demselben gewährt er uns seine verheißene beständige Gegenwart, er begegnet uns in der Geisteskraft, "denn der Geist vor unserem Angesicht ist Christus der HErr!"

2. Tempel des Höchsten

In der Heiligen Taufe mit Wasser und Geist gelangt der Sohn Gottes gar in unsere Herzen, wo derselbe Geist seiner Sohnschaft, ausgegossen in unsere Herzen, uns zum unvergänglichen Geschlecht der Gottessöhne macht; wir werden darin wiedergeboren, als Kinder zur Erneuerung des Volkes Gottes adoptiert (Sohnschaftsannahme über dem Knie der gesetzlichen Braut Christi), und dem neuen Menschen und letztem Adam – Jesus entnommen, wie einst die Urmutter als Männin (Ischa oder umgangssprachlich Frau) "vom Leib zum Leib" und zum Leben (Eva) für die anderen wurde, wie auch Jesus seine weihende Hand über seinen Jüngern ausstreckte und sprach: "Siehe, meine Mutter und meine Brüder!"

Zweifelsohne werden wir zum Tempel des Höchsten, zu Bausteinen seines Hauses erbaut, um als Getaufte die Kirche, die Braut und Mutter eines künftigen Geschlechtes, und als Volksgenossen seines Reiches, die Christenheit aller Völker zu sein, und in allem zu seinen Jüngern zu werden. Wir sind getauft mit jenem Wasser, welches nach seinem Tod aus seinem geöffneten Herzen floss, um die Welt und den Tod zu überwinden. Es ist jedoch kein Leichnamswasser – vielmehr ist es das Wasser seiner Gottheit, welches im Heiligtum der Himmel seine Quelle hat, das Taufwasser des göttlichen Geistes, denn Jesus ist der Gottheit nach mutterlos, und der Menschheit nach vaterlos, folglich ein Wesen aus sich heraus – Gott!

Der Getaufte erlebt in seinem sterblichen Körper, dem Tempelhaus seines Leibes, den dreieinigen und wesenseinen Gott, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist. Jeder von uns ist und war ein Kind, wie der Gottessohn in der göttlichen Wesenheit; wir haben aber auch die Liebe der Verliebtheit erfahren, wo in der Sehnsucht nach leiblicher Vereinigung unser Kindsein in demselben Wesen unseres Leibes die Elternschaft offenbarte, als Abbild der Einheit vom Vater und vom Sohn im Heiligen Geist, denn der Geist des Vaters und der Geist des Sohnes sind nicht zwei Geister, sondern ein Geist, der die göttliche Wesenseinheit ausmacht; ebenso erfährt jeder von uns in demselben seinem Wesen, wie er älter und durch die Erfahrung weiser wird, und selbst in der Vollkraft unseres Lebens sind wir in einem Wesen nach wie vor Kinder, Verliebte und erfahrene Erzieher, eben drei in einem.

3. Mysteriendarstellung – das vollkommene Abbild des Heiligtums

Ähnlich ist unsere persönliche Erscheinung dreifach nach Leib, Seele und Geist. Wir haben einen Leib in unserer Geburt bekommen, um Menschenkinder zu werden, nicht um Schnitzbild, sondern um Abbild (Ikone = Mysteriendarstellung) der Fleischwerdung Christi zu sein; die Seele in unserem Inneren weckt nicht–materielle Ereignisse unseres Leibes durch die Liebestat, durch die Gemeinschaft, damit wir eins seien, wie Christus im Vater und der Vater in Ihm; der Geist ist das Herz unserer Wesenheit, welches uns das Leben spendet und den Sinn dazu, damit wir auseinander halten das Kind vom Liebenden, und den Liebenden vom Weisen, um auch das Heilige vom Nichtheiligen zu unterscheiden. Ein solches Abbild ist ebenso das Heiligtum als eine Einheit von Vorhof, Heiligem und Allerheiligstem (dem Heiligen der Heiligen), eine Mysteriendarstellung von Gott und dem Menschen, ein Schattenbild der Himmel und der Welt (tou kosmou = des Alls), um beiden zu dienen, dem dreieinigen Gott und der menschlichen Gemeinschaft, ja um beide zu einen, Gott und den Menschen, bis die Einheit sichtbar wird, wenn wir von der Braut zur Frau Christi geworden sind, zu einer neuen Schöpfung.

Das liturgische Heiligtum wird auch in seiner Abbildhaftigkeit von Gottes Hand gebildet, nicht plötzlich und aus nichts, sondern aus göttlichen Werken. Denn der Mensch wird aus der Ebenbildlichkeit zu Gott als Geschöpf seiner Hand gebildet, im christlichen Elternhaus heilig geboren, fähig der Wiedergeburt der Hl. Taufe, um wie Gottes Sohn mit 12 Jahren aus der Schrift zu Lesen (Firmung, Konfirmation), und später in die Nachfolge Jesu zu treten, sich zu entscheiden, den Platz im Haus Gottes einzunehmen (Versiegelung), wie unser HErr Jesus anlässlich seiner Salbung am Jordan als das Lamm Gottes in seiner Stellung besiegelt und gesalbt war. Manche, nicht alle, folgen dem HErrn in dessen Verklärung (Vorbild eines 3–stufigen Amtes – die drei Verklärten) als Zeugen wie die 3 Säulen, um durch das Werk und den Geist Gottes des Vaters in das Priestertum Christi verwandelt zu werden, welcher seit dem Zeugnis am Jordan und seit der Verklärung am Berge Tabor ein Diakon war, um die Verheißungen an den Vätern zu bestätigen.

Das Priestertum im Heiligen des Heiligtums verbindet uns im Wesen des Heiligen Geistes mit der Amtsgnade Christi, welcher nach der Weise Melchisedeks das Charisma oder die Gnadengabe des hl. Amtes kraft unzerstörbaren Lebens empfing, um nach dem Eid Gottes in seinem ewigen Priestertum auch jene einzubinden, welche sich zur Erfüllung seiner Gebote im Gehorsam und Selbstaufgabe (Kenose = Entäußerung) vollkommen hingeben. Da das levitische Priestertum nicht zur Vollendung geführt hatte, mußte ein Priestertum in Jesu Christo eingesetzt werden, damit die Kirche und das Volk Gottes vollendet werden.

Durch die Entrückung unseres Königs und Hohenpriesters ins Allerheiligste gelangte die Menschennatur zum Gottesthron, damit auch wir dahin gelangen wo er ist, um durch die selige Gottesschau hindurch bis zur neuen Welt der Ewigkeit an der Herabkunft des himmlischen Jerusalems teilzuhaben. Das eindrückliche Zeugnis dafür ist die Errichtung eines Heiligtums unter den Getauften.

4. Aufrichtung eines Altars

Seit Kain und Abel sind uns Altäre ein Begriff. Während Abel in Gerechtigkeit Gott angenehm opferte, war die Verbrennnug von den Früchten des Feldes am Altar Kains von Gott nicht angenommen. Die Aufstellung eines Altars entspricht dem Dienst der Gerechtigkeit, dem Dienst des Lammes, unseres HErrn Jesus, der sich in Treue bis zum Tod Gott hingab, und im Verrat und Auslieferung in den Tod durch die Brüder seines Volkes für sie betete und sie nicht verurteilte. Die von Ihm eingesetzten Zeichen sind Brot, Wein und Wasser – nicht um sie am Altar im Rauch aufgehen zu lassen, was der Brudermörder Kain tat, sondern als ein makelloses Opfer, wie die Gabe Melchisedeks, vor Gott dargebracht zu werden.

Am Altar wird im Brechen des Brotes und einer Gegenüberstellung der Teile zu einander des Bundes Abrahams gedacht, welcher die geschlachteten Opfer teilte und zueinander gewandt hinlegte. Die Folge dieses Bundes war die Verheißung der Nachkommenschaft, vor allem dessen, der dieses Volk so zahlreich macht. Nicht der Sohn der Unfreien (Hagar), sondern der Sohn der Freien war der Sohn der Verheißung, der zur Schlachtung vor Abraham lag – ein Schattenbild der göttlichen Hingabe des eigenen Sohnes. Uns kann jedoch kein Menschenopfer zum Heil verhelfen – statt Isaak opferte Abraham einen Widder, um zu künden, daß die erlösende Dimension des Opfers Christi in der Hingabe des ganzen Wesens enthalten ist. Denn Abraham gehorchte Gott sowohl durch die Bereitschaft, seinen einziggeborenen verheißenen Sohn zu opfern, als auch als er Ersatzweise einen Widder opferte. Das Liebesopfer unseres Heilandes ist in der Hingabe an Gott Vater und im Gehorsam enthalten – der Wille des Vaters war die hungerstillende Nahrung Jesu. Von daher betrachten wir den eucharistischen Dienst als ein Dankopfer (im mosaischen Schattenbild – ein Schlachtoper), in welchem wir ebenso mit der Speise des bekundeten göttlichen Willens gespeist werden.

Über dem Altar werden zwei gekreuzte Balken angebracht, vertikal und horizontal. Wir nennen dieses Abbild des Mysteriums – Kreuz. Der HErr Jesus gab die Verheißung, daß er, wenn er erhöht wird, alle zu sich ziehen würde. Damit gab er an, wie er sterben würde – die erhöhten jüdischen Märtyrer glaubten, bei der Erhöhung am Todesbalken den Sitz der Herrlichkeit einzunehmen. Zugleich kündigte Christus ebenso seine Erhöhung zum herrlichen Sitz des himmlischen Throns an, wie die Sonne in der Morgenröte den Himmel besteigt. So gibt das Kreuz die Himmelsrichtung an, den liturgischen Osten, woher der HErr kommt, und wo er nicht aufhört, uns zu sich zu ziehen, damit wir dorthin gelangen, wo er ist.

Die Voraussetzung dafür, in die Himmel gezogen zu werden, ist, daß jeder von uns seinen Balken auf sich nimmt, wie Er, das Joch unseres Kreuzes – um Ihm gleichförmig zu werden. So kreuzen sich die zwei Balken zu einem Kreuz, er ist in der Vertikale der Weinstock, wir in der Horizontale die Reben, und die Frucht von beiden ist das Werk des Heils im bitteren Leidenskelch. Zugleich verkündet dieses Kreuzeszeichen auch den Balkenzaun, wo einzelne Balken mit einem Riegelbalken zusammengefaßt werden. Damit wird die Ausgrenzung sichtbar – wir haben einen Altar, an welchem nur die in seinen Tod Getauften und Geheiligten essen dürfen.

Zum Altar gehört auch das Feuer, welches wie das hochheilige Zeichen des Kreuzes in sich von doppelter Bedeutung ist. Denn Jesus bezeichnete sowohl sich selbst, als auch seine Jünger, als das Licht des Alls. Das Feuer dieses Lichtes ist die göttliche Wesenheit, der Heilige Geist, welchen auch wir in der Heiligen Taufe empfangen. So sind die Leuchter zur Rechten und zur Linken des christlichen Altars ein Abbild dieses Lichtmysteriums, und zugleich ein Zeugnis seines Wesens, welcher der wahre Gott und wahrhaftige Mensch ist, Apostel und Prophet unseres Glaubens, durch welchen wir wie durch eine Tür vor Gott gelangen.

Ein neuaufgerichteter Altar ist noch kein Hauptaltar. Unser HErr wurde außerhalb der Stadt dem Tod überliefert, wie im mosaischen Schattenbild die Schlachttische des Heiligtum außerhalb des Heiligen waren. In dieser Typologie wird sein Tod dem Opfer gleichgestellt, da der Vorhof dem Leib entspricht – als das Wasser unserer Reinigung ist jedoch die Stätte seiner Opferung schattenbildlich auch außerhalb des Lagers, wo ein alttestamenlicher Priester sich verunreinigte, als er die Asche der roten Kuh für das Wasser der Besprengung bereitete. Jesus ist stets beides zugleich, der Opferpriester und die Opfergabe, sowohl die Schlachtung am Schlachttisch, als unser Paschalamm, als auch das Opfer und der Opferpriester unserer Reinigung. Somit ist die Aufrichtung eines Altars ein Zeugnis für das göttliche Haus und für den himmlischen Tempel. Es ist ein Nebenaltar, an welchem die Versammelten zum Hauptaltar geführt werden.

Solche Altäre können wir den Schlachttischen des Vorbildes gleich in jedem Gotteshaus im Kirchenschiff oder neben dem Heiligen des Heiligtums aufstellen. Wir errichten sie auch außerhalb unserer Heiligtümer, zum Werk der Glaubensverkündigung, sowohl im Evangelistenwerk, als auch dort, wo eine Gemeinschaft am Tisch des HErrn entsteht.

Ein Altar bleibt jedoch immer mit dem himmlischen Heiligtum des HErrn verbunden. Zum Zeugnis dieser Verbundenheit stellen wir an einer liturgischen Seite neben dem Altar einen Stuhl seines höheren Amtes auf. Als König ist Jesus zum himmlischen Hohenpriester nach der Weise Melchisedeks geworden, begnadet mit der prophetischen und apostolischen Amtsherrlichkeit (hebr. kawod / griech. doxa). Mit dieser zweifachen Gabe des Heiligen Geistes werden auch solche Menschen ausgestattet, welche der Vater wie Ihn aussendet und mit der Amtsgnade ausstattet, mit der Kraft und mit dem Heiligen Geist. Sie sollen das Amt des himmlischen Bischofs ausüben, als die Boten seines himmlischen Reiches. Der Inhalt ihrer Botschaft ist sowohl das Zeugnis Jesu, als auch sie selbst, da sie ein Zeichen des göttlichen Willens sind. Als Wegbereiter sind sie die Stimme des Rufers in der Wüste und die Verkünder seiner Ankunft, in ihrer Botschaft sind sie mit der Verkündigung vereint, eins mit dem Lamm und Erlöser, dem Engel des Bundes, und sind selber Engel und Bischöfe seiner Gottheit*. So wird ein Nebenaltar mit dem Hauptaltar geeinigt.

Gegenüber dem Stuhl des HErrn steht ein Tisch des Heiligtums, der Tisch des Wortes und der Verheißung. Dort werden die eucharistischen Gaben eines Nebenaltars zugerüstet, dort erfolgen die Lesungen aus der Heiligen Schrift, auch die Verkündigung des Evangeliums, lediglich die göttliche Vorlesung (das sog. Speisopfer des Brandopfers) soll von den Priestern liturgisch ostwärts am Altar vorgetragen werden. Solange dieser Tisch dem Nebenaltar zugewiesen ist, dient derselbe auch den diakonalen Verrichtungen.

Auf der anderen liturgischen Seite, dem Bischofsstuhl und dem Tisch des Wortes gegenüber, steht eine Priesterbank oder die Priestersitze, welche durch ihr Amt in der zweiten Stufe vom zweiten Himmel die Kunde geben, denn sie dienen daselbst priesterlich und verbinden den Gottesdienst durch ihren Amtsauftrag und den geleisteten Dienst am Nebenaltar mit dem Heiligen im Heiligtum.

Nicht als Schranke, sondern als Kniehilfe soll vor einem solchen Bereich eine Kniebank stehen, an welcher die Priester jenen Dienst der Gebete verrichten, welcher weder am sakramentalen Tisch des HErrn (Altar) noch am Tisch des Wortes ausführbar ist. Diese Kniebank oder Kniebänke sind zugleich eine Kommunionbank, eine Altarverlängerung, um den Kommunikanten einen würdigen knienden Kommunionsempfang zu erleichtern.

Sofern diese Altaraufrichtung außerhalb einer Hauptkirche als Versammlungsstätte der gelegentlichen Kommunikanten in der Evangelisation oder am Enstehungsort einer Neugründung ist, soll für die pastoralen Einzelfälle lediglich in der Sakristei ein Bewahrungsort für das hl. Altarsakrament aufgestellt werden. Vor dem Sakristeitabernakel soll ein Sakramentslicht nur dann angezündet werden, wenn davor auch eine Handlung geschieht, wie z. B. Krankenkommunion, private Handauflegungen und Segnungen. Aus Ehrfurcht vor dem HErrn darf ein elektrisches Licht den Raum der Sakristei indirekt und beständig beleuchten, um die sakramentale Gegenwart offenkundig zu machen.

Wenn in dem Evangelistenwerk einzelne Mitchristen als regelmäßige Kommunikanten eingetragen werden möchten, so sollen sie dazu unterwiesen werden und an das pastorale Amt einer Ortskirche gottesdienstlich übergeben werden.

5. Aufrichtung des Tabernakels

Wenn aus einer Gemeinschaft der gelegentlichen Kommunikanten einige in das Altarbündnis der regelmäßigen Kommunikanten eintreten wollen und in der nächsten Nähe keine Ortskirche aufgerichtet ist, wo sie in einem vorhandenen Altarbündnis aufgenommen werden könnten, mag ein Nebenaltar zum Altar der Presbyter erhoben werden. Nachdem in so einem Fall die bischöfliche Zuständigkeit geregelt wurde, sei es seitens einer Ortskirche als Hauptgemeinde, oder durch eine apostolische Einrichtung, erfolgt die Weihe eines Sakramentenschreins und die Aufstellung desselben auf dem ehemaligen Nebenaltar.

Einen Sakramentenschrein nennen wir mit dem lateinischen Namen "Tabernakel", was übersetzt eigentlich "Stiftshütte" bedeutet. Der Hauptzweck dieses Schreins ist es, wie in der heiligen Lade das Altarsakrament zu bergen. Das geweihte Sakrament des Leibes und des Blutes des HErrn wird auch als das Altarsakrament das Allerheiligste genannt. Denn keine irdische Einrichtung vermag es, den höchsten Himmel und die Wohnung unseres Gottes im Mysterienbild darzustellen. Wie das Darstellungsbrot in der Stiftshütte das israelische Volk aller Geschlechter außerhalb des Heiligtums als das heilige Gedächtnis vor Gott im Heiligtum vergegenwärtigte, so ist im sakramentalen Gedächtnis (Anamnese) unseres HErrn seine sichtbare Gegenwart im Gebot seiner Stiftung verheißen. Und wo ER seine Gegenwart sichtbar macht, dort erleben wir seine Nähe und die Nähe seiner Wohnstätte, des Heiligtums der Heiligtümer, ja des Heiligen der Heiligen, kurz gesagt – das Allerheiligste.

Im gewissen Sinn betrachten wir auch den Bereich, wo ein Tabernakel steht als das Allerheiligste, ohne dabei an ein Mysterienabbild zu denken. Das heilige Sakrament ist für uns kein Abbild und kein Symbol, sondern gemäß seinem Wort eine Gestalt seiner wahren Gegenwart (Realpräsenz). Dies bezeugen wir mit einem besonderen Licht, dem Licht der Sakramentenlampe. Wer über einem Sakramentenschrein das Feuer der Lampe erblickt, ist aufgefordert, die sakramentale Gegenwart des HErrn zu ehren.

Mit dem Tabernakel wird eine Pfarrei errichtet, in welcher sowohl eine vorgeweihte Sakramentsausspendung als auch die Krankenkommunion erfolgen kann.

6. Erhebung einer Pfarrkirche

Sobald einige regelmäßige Kommunikanten ihre Hebe entrichtet haben, spätestens vor ihrer Versiegelung, werden für das vierfache Amt des Apostels im Versiegelungsdienst die Sitze des 4–fachen Amtes vor dem bisherigen Tisch des Wortes aufgestellt. Denn mit der ersten Versiegelung wird das Vollendungswerk sichtbar, das Geheimnis der Zurüstung auf die Erscheinung des HErrn. Die 4 himmlischen Wesen offenbaren in ihrer Mitte den Gnadenthron, mit ihrer Erscheinung bringen sie die Herrlichkeit näher und beginnen jene Vorbereitung, welche in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gipfelt, bis wir alle Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen. Gerade dadurch entsteht eine Pfarrkirche, eine örtliche Seelsorgeeinheit der Vollendeten.

Da durch die Aufstellung der 4 Sitze der Heiligtumstisch zum Tisch des heiligen Siegels versetzt wird, werden erstmalig die Lesepulte der Altarleuchten aufgestellt, nämlich das Epistelpult an der Südseite und das Evangelienpult an der Nordseite des liturgischen Heiligtums. Durchaus kann auch eine Kanzel aufgestellt werden – die Kanzelwidmung kann ebenso am Evangelienpult vorgenommen werden, da beide als Verkündigungsstätte des Wortes verbunden werden können. Das Wort des Evangeliums bewirkt in der Vorlesung eine geistliche Gegenwart des HErrn, derjenigen im Sakrament ähnlich.

Eine Pfarrkirche zeichnet auch ein Diakonentisch aus. Denn die Versiegelten brauchen ihr Sprachrohr, die gewählten Diakone – die Diener des göttlichen Hauses. Die Diakone vertreten die Mitgläubigen in ihrem Altardienst, sie erleichtern das Werk der übrigen presbyteralen Geistlichen, damit sich die letzteren mehr dem Wort Gottes widmen können. Ebenso verkündigen die Diakone das Evangelium als solche, welche die Botschaft weiterreichen. Im Gegenzug nehmen die Diakone die Weihegaben des Volkes entgegen, um sie den Priestern zu reichen. Sie rüsten an ihrem Tisch die eucharistischen Gaben zu und tragen Sorge, daß es an Almosen des Armenopfers nie mangelt. Im Gebetsleben der Kirche können die Diakone die einfachen Gebetsdienste übernehmen. Somit wird am Diakonentisch eine Pfarrkirche erkannt. Daselbst liegt auch das Wachstum der Pfarrkirche bis zu einer Ortskirche verborgen.

7. Aufrichtung einer Gemeinde

Wenn die Altargemeinschaft einer Pfarrkirche auch geistlich gewachsen ist und ihre Hebe die Fähigkeit erlangt hat, das Heilige des Heiligtums zu tragen, und wenn die zuständige bischöfliche Autorität die Einführung eines Gemeindeengels als angezeigt erachtet, wird an der Stelle der Pfarrkirche eine Gemeinde aufgerichtet. So wird, wenn es von den Vorschriften zur Aufrichtung einer Anbetungssätte möglich ist, der Bereich zwischen den Sitzen des 4–fachen Amtes durch die Salbung geweiht. Über der Stelle, die geweiht ist, oder geweiht werden kann, wird das Altarkreuz aufgehängt und der Altar von der Ostwand in den sog. inneren Vorhof übertragen. Die Altarleuchten werden wie das Tor des Heiligtums ostwärts, noch vor dem Heiligtumstisch, aufgestellt. Der Tabernakel verbleibt unter dem Kreuz auf einem Postament oder Tisch an der Ostwand.

Der einen Priesterbank wird eine zweite gegenüber an der anderen Wand, dazwischen oder oberhalb derselben an der Nordseite ein Thron des Engels aufgestellt. Dem Engelthron gegenüber soll der Heiligtumstisch versetzt werden.

Vor dem Tabernakel soll erstmals das Weihrauchsfaß nördlich aufgestellt werden und die priesterliche Fürbitte im Morgen– und Abenddienst ist sofort statthaft. Auch die feierliche Sakramentsentfernung (nach einer priesterlichen Fürbitte) kündet nun, wie der HErr emporgestiegen ist, so kommt er wieder.

Die Besonderheit der Aufrichtung einer Gemeinde ist das Recht auf einen Gemeindeengel. Zwar ist dessen Sitz noch keine Kathedra (Lehrstuhl), da ein Gemeindeengel immer noch ein "nächstbeauftragter Engel" ist, in der bischöflichen Kirchenstruktur der Ortskirche als Horngemeindevorsteher einverleibt, und im hohenpriesterlichen Dienst an einer Kathedralkirche in der großen Fürbitte beteiligt ist, so ist er doch in seinem oberhirtlichen Auftrag ungebunden. Aus der heiligen Verbindung des Engels mit seinem ihm anvertrauten Volk kann auch ein eigener Lehrauftrag und Vorrang einer Leuchterstätte werden, wenn auf seinem Gebiet weitere Pfarrkirchen entstehen, und der Engel vom HErrn aufgefordert wird, seine bischöfliche Autorität im erweiterten Gebiet auszuüben. So entsteht nämlich eine Hauptgemeinde, in welcher der Engelthron auch zum Lehrstuhl der Volksscharen wird.

8. Aufrichtung einer Ortskirche

Die eigenständige Ortskirche entsteht im heiligen Wachstum aus einer eingebundenen Gemeinde oder durch die besondere Kunde im Zeugnis der Propheten, wo das Wirken des HErrn an einem Ort in besonderer Weise sichtbar werden soll. Im letzteren Fall sollte eine solche Gemeinde ausreichend unterwiesen und vor dem HErrn dargestellt werden. Auf jeden Fall kann in einer solchen Ortskirche der Morgen– und Abenddienst die entsprechenden Gebetsdienste ersetzen und die sog. große Fürbitte eingeführt werden. Ob dabei weitere eingebundenen Gemeinden im Verband des Bischofs stehen oder nicht, so hat doch der Engelstuhl einer solchen Ortskirche die Bedeutung eines Lehrstuhls, da auch der Thronaltar die Lehrstätte erbaut und der siebenarmige Leuchter des Heiligtums dasselbe bezeugt. Die Einführung eines Engels und Bischofs in einer Leuchtergemeinde oder Kathedrale mit dem göttlichen Thron ist ein Ereignis von gesamtkirchlicher Bedeutung.

Ein bis zu dieser Stufe errichtetes Heiligtum kann schlußendlich in das himmlische Heiligtum in der Entrückung erhoben werden, bis alle Heiligtümer überholt sind, wenn Gott in seiner Herrlichkeit die Neuschöpfung mit seiner Ewigkeit krönen wird.

 

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  Heiligtumsdienst der Kirche


Der siebenfache Dienst der Anbetung Gottes
   ur

1. Der Begriff der Liturgie

Der Gottesdienst bekommt seinen weit verbreiteten Begriff „die Liturgie“ in der rabbinischen Übersetzung des alten Testamentes (Septuaginta, Übersetzung der Siebzig), wo das hebräische Wort für dienen – Scharat (šarat) als leitourgeín, resp. der Dienst – Scharet (šaret) – mit dem griechischen Wort die Liturgie (leitourgía) wiedergegeben wird. Das liturgische Verständnis umfasst nicht nur die priesterlichen Opferdienste, sondern jedes priesterliche Werk im Heiligtum, sowohl im Vorhof, als auch im Inneren der Stifsthütte oder des Tempels.

Die Umsetzung des Priesterdienstes auf den Gebetsdienst der Anbetung ist bereits in der göttlichen Weisung vorgegeben, da die Gebote nicht rein äußerlich ausgeübt werden dürfen, sondern als sichtbares Werk dessen wahrgenommen werden sollen, was man im Herzen bewegt hat: „Sei nur mutig und stark, und achte genau darauf, daß du ganz nach der Weisung handelst, die mein Knecht Mose dir gegeben hat. Weich nicht nach rechts und nicht nach links davon ab, damit du Erfolg hast in allem, was du unternimmst. Über dieses Gesetzbuch sollst du immer reden und Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, genau so zu handeln, wie darin geschrieben steht. Dann wirst du auf deinem Weg Glück und Erfolg haben.“ (Jos. 1, 7-8) Das Reden über die Weisung bedeutet zugleich auch das Aussprechen dessen, was im Herzen bewegt worden ist. Die Juden sprechen daher vom „Gottesdienst im Herzen“ und wir Christen verstehen die Liturgie als den äußeren Ausdruck des prophetischen Herzensgebets (Hesichasmus). Daher wird der liturgische Begriff auf den Lobpreis (barach) ausgeweitet, auf das „Lobopfer der Lippen, die seinen Namen preisen“.

Im Dienst der Stiftshütte wurde mit dem Blut und Öl siebenfach besprengt, sowohl zur Reinigung im geistlichen Sinn (Lev. 4, 6 oder Lev. 4, 17), als auch zum Zeugnis der leiblichen Reinheit (Lev. 14), ebenso zur Priesterweihe (Lev. 8, 11), als auch zur Sühne (Lev. 16). Der Psalmist fasst dies im Gotteslob zusammen: „Siebenmal am Tag singe ich dein Lob wegen deiner gerechten Entscheide.“ (Ps. 119, 164) Dabei wird ebenso an die Verrichtung der Priester gedacht, welche nachts und tags das Altarfeuer unterhielten, mit welchem sie ihren Dienst im Heiligtum ausführten.

Alle diese Gebetszeiten ergeben auch ein „periodisches“ Verständnis der Gebetsordnung, welche sowohl die Tag-, als auch die Jahrzeiten einschließt, was die synagogale Liturgie „Machsor“ nennt, urchristlich jedoch „Machsorta“ hieß, wie es historisch erstmals im altsyrischen Brevier (Stundengebetbuch) genannt wurde.

Während es den Juden zur Zeit der Verfassung ihres Talmuds verboten war, die Liturgie niederzuschreiben, da dies der „Verbrennung des Talmuds gleich käme“, sind uns in den paulinischen Apostelbriefen einige urkrichliche liturgische Texte überliefert. Darüberhinaus wird im 2. Brief des Apostels an Timotheus (2. Tim. 4, 13) herausgelesen, dass der hl. Paulus sowohl das liturgische Gewand (Phälon / failónes – die Kasel) als auch die biblischen Schriftrollen und die Kodices (Pergamente zu Büchern gebunden) der Liturgie mitführte. Der altsyrische Ritus geht zurück auf die sog. Jerusalemer Liturgie (Jakobusliturgie), und auf das liturgische Gebet der Kirche von Antiochia, wo Paulus und Barnabas am liturgischen Dienst (Apg. 13) teilgenommen hatten. Diese Kodices haben uns leider nicht erreicht, doch für die Überlieferung ihres Inhalts spricht der Umstand, dass die gesamte morgenländische (orientalische) Gebetstradition in ihrer liturgischen Gestalt, selbst der byzantinische Ritus, mit der synagogalen Liturgie verwandt geblieben ist.

Diese Verwandtschaft sehen wir ebenso darin, dass die eschatologische Gottesdienstbetrachtung (Off. 15, 3) im Schriftzeugnis enthalten ist – „Sie sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied zu Ehren des Lammes.

Manche mögen meinen, das Gebet des Herzens entspräche nur einem freigesagten Gebet. Solche verkennen die Grundlage unseres Nachsinnens, das Wort Gottes im Herzen wachzuhalten. Auch die Jahrtausende alte Tradition lehrt uns etwas anderes – dieselbe will lediglich der Weisung Jesu entsprechen: „Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.“ (Lk. 21, 36)

2. Katholische Anbetung

Wir betrachten den siebenfachen Lobpreis (Euchologie) im Geheimnis unseres Erlösers, welcher die Zeit seiner Erscheinung und Wirksamkeit Tag, und die Zeit bis zu seiner Wiederkunft Nacht nannte. Der ersten wie der zweiten Ankunft Jesu geht die Nacht voraus, welche nur im Prophetenlicht zerstreut wird – folglich beginnen wir traditionell den Tag mit dem Vorabend, und den HErrentag (Sonntag) mit dem Sonnabend, in der Erwartung des abendlosen Tages unseres Heils, nämlich unserer Erhebung vor den Thron des Höchsten. Somit wären die 7 Perioden oder Gebetszeiten:
1. Abenddienst (Vesper),
2. Nachtgebet (Complet),
3. Mitternachtsdienst (Wache),
4. Frühdienst oder Morgendienst mit der ersten Tagesstunde (Morgenlob),
5. Vormittagsdienst (3. Tagesstunde),
6. Mittagsdienst (6. Stunde)
und
7. Nachmittagsdienst (9. Stunde).

Den Abenddienst leitet die Todesstunde Jesu ein, denn zur 9. Tagesstunde wurde das Abendlamm im Tempel geschächtet. Es ist die Tagzeit, zu welcher äußerlich die Finsternis anbrach, jedoch für uns der Tod durch den Tod des sterblichen Leibes Christi überwunden ward; auch wenn wir immer noch in eigener Sterblichkeit wahrgenommen werden, so ist die sterbliche Hülle des Leibes der Grabstätte ähnlich, welche die Auferstandenen dazu anleitet, im Grab auszuharren, bis dasselbe aufgebrochen und geöffnet wird, um die Auferstandenen frei zu lassen. Folglich ist das Abendzeugnis im Geheimnis der Grablegung Christi zu betrachten, denn das Licht der Auferstehung leuchtete darin auf. Wenn wir unsere Nachtruhe Gott anempfehlen, dann grundsätzlich in der Erwartung, dass unsere Nacht zum Tag erleuchtet werde.

Die Mitternacht verbirgt sowohl die Stunde der Auferstehung Jesu, als auch die Stunde seiner Wiederkunft, die Stunde der Überraschung und die nahezu unverhoffte Uhrzeit seines Kommens, welche im Wachen und Beten erfüllt wird.

Nach dem Zeugnis des Evangeliums ist dies die Stunde der Ankunft des Bräutigams.

Noch in der Morgenröte, wenn das Altarfeuer im Tempel entfacht wurde, betrachten wir im Lichte seiner Wiederkunft auch den Schatten unserer Entstehung und die Erfüllung seiner ersten Ankunft – denn sein Erscheinen ist das große Licht, welches sein Volk, das in Finsternis wandelte, in der Erfüllung jeder Prophetie wahrnahm und vom Heilswerk überzeugte.

In der Vormittagsstunde der Terz betrachten wir sowohl sein Lebenswerk der Erlösung, als auch die Stunde der Verurteilung eines Unschuldigen. Nach aller Verachtung und Folter wurde Jesus den Bösen ausgeliefert und zum Tode verurteilt – und er schwieg dabei, wie das Lamm, das zur Schächtung geführt wird. Die Terz kennzeichnete im Tempeldienst die Schächtung der Zusatzopfer, am Schabbat sollte zu der 3. Stunde die Schächtung jedoch den Ruhetag heiligen. Die Heiligkeit dieser Stunde, zu welcher Christus das Kreuz übernahm, wird von Petrus am eindrücklichsten umschrieben: „Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter. Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot seien für die Sünden und für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.“ (1. Pt. 2, 23-24)

Die Mittagsstunde (die 6. Tagesstunde) seiner Kreuzigung ist zugleich die Stunde seiner Erhöhung, sowohl zum Sitz der Herrlichkeit des Kreuzes, als auch in der Himmelfahrt zum göttlichen Thron – siehe der Mensch am Kreuz, siehe die Menschennatur außerhalb von Raum und Zeit am Gottesthron. Die Zeit seiner Kreuzigung läßt uns die Teilung des Vorhangs im Tempel erblicken, wo der Schleier seines sterblichen Leibes die Gottheit offenbarte – Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. (Lk. 23, 34)

Diese obgenannten 7 Anbetungszeiten werden liturgisch sowohl im synagogalen, als auch im liturgischen Dienst der Kirche zusammengefasst, als das Gebet des Abends, Morgens und Mittags. Bei der Wiederherstellung des Gottesdienstes konnten die ausgesonderten Apostel in London keine geeigneten Gebete der Anbetung in den westlichen Traditionen der Christenheit finden, da in denselben die Gebete und Danksagungen der Tagzeit nicht überliefert wurden. So bedienten sie sich des byzantinischen Euchologions, in welchem verschiedene morgenländische Traditionen zusammengefasst und überliefert worden sind. Diese liturgischen Quellen kann man auch den Vorlesungen über die Liturgie von J. B. Cardale entnehmen.

Unsere Aufgabe war jedoch, die katholische Fülle dieser periodischen Anbetung des siebenfachen Dienstes auf pastorale Weise (in einer praktischen Umsetzung) zusammen zu führen, das Alte mit dem Neuen zu verbinden und die apostolische Ordnung mit den katholischen Früchten der Tradition zu einen, wovon die veröffentliche Dienstordnung Zeugnis ablegt.

Vor dem Antlitz Gottes, unseres himmlischen Vaters, stellen wir in den Diensten unserer Anbetung 12 vorgeweihte eucharistische Brote dar, seine reine Gabe, den Süßteig der Lauterkeit und Wahrheit. In der Unterweisung und Speisung der 9000 in der Wüste erschuf Jesus, unser Lehrmeister, das Licht der Lehre des Evangeliums. Während in der Wüstenwanderung der 12 Stämme Israels ein vergängliches Heiligtum das himmlische Reich Christi vorschattete, – samt dem Gesetz und allen Geboten und Verboten der göttlichen Weisung (Thora), – sind die Liebesgebote und die Frohbotschaft die reine Lehre dessen, der das Licht des Alls ist. Wie die reine Gabe des Volkes Gottes im Heiligen der Stiftshütte in der Schichtung der 12 Brote das ewige Israel bei Gott vergegenwärtigte, so sind die 12 Brote der wundersamen Speisung in der Wüste ein Ausdruck und Zeugnis für Ihn, welchen wir als das ewige ausgesprochene Wort Gottes angenommen und in unserer Mitte aufgestellt haben, für unseren Bildner – den Logos des Vaters. Unsere Anbetung ist mit dem Geheimnis der heiligen 12 Brote geeint, verbunden mit dem Herrscher von Juda und mit dem König von ganz Israel, mit Emmanuel, dem Gott mit uns, der in die höchsten Himmel aufgestiegen ist. Ja, unser Leben ist er und unser Schatz – und wo er ist, dort ist unser Herz. (Mt. 6, 21)

Die Speise der 5 Brote wird morgens durch den Engel in seiner Betrachtung gereicht. Es ist die Lehre Jesu, unseres Hohenpriesters, welcher der Bräutigam seiner Kirche ist. Der berufene und geweihte Brautführer, welcher die Aufgabe hat, bei der himmlischen Hochzeit die Hand der Braut dem Bräutigam zu reichen, ist dessen Freund (Joh. 3, 29), der mit der Gabe der Fülle des Priestertums ausgestattet ist, mit der Gnade des vollen 4-fachen Amtes, und mit jenem Wissen, welches ein Knecht nicht besitzt (Joh. 15, 15). Nach dem Genuß der 5 Brote seiner Betrachtung werden die 12 Körbe der apostolischen Lehre eingesammelt, die Katechese unseres Glaubens, um den priesterlichen Dienst des Opfers des Lobes, nicht nur mit den Lippen, sondern mit dem ganzen Wesen nach Leib, Seele und Geist zu verkündigen.

Das Licht zur Abendzeit entspricht der wundersamen Speisung mit den 7 Broten in der Wüste. Wie die 7 Kirchen Kleinasiens das Herz des Urchristentums bildeten und die 7 Leuchten sind, zwischen welchen der HErr der Kirche wandelt, und die jederzeit kraft seiner Unsterblichkeit in Erscheinung treten möchten, so ist das Zeugnis der Abendbetrachtung des 7-fachen Presbyteriums, der 6 fürstlichen Presbyter mit dem Bischof, oder wie man sonst sagt der 6 regierenden Ältesten mit dem Engel, die Eschatologie unseres Glaubens. Sie bezeugen nämlich das, was sie als Frucht der morgentlichen Katechese erlebt haben, sei es am vergangenen Tag, sei es aus der apostolischen Unterweisung jemals in ihrem Leben. So entsteht die Lehre über die Vollendung der gesamten Kirche Jesu, das katholische Zeugnis, welches den eingesammelten 7 Brotkörben entspricht.

Unsere theologische Betrachtung mag in verschiedenen Zusammenkünften vertieft werden, und doch ist sie die Lehre, welche ihre Quelle in der beständigen Anbetung des Herzens hat. So ist sie mit den 12 Broten der wundersamen Speisung in der Wüste verbunden, für unser Sein wesens- und lebenswichtig, frei von Philosophie und von jeglichem Sauerteig der Pharisäer, eine Glaubensantwort auf die Frage Jesu Christi an seine Jünger: „Erinnert ihr euch nicht an die fünf Brote für die Fünftausend und daran, wie viele Körbe voll ihr wieder eingesammelt habt? Auch nicht an die sieben Brote für die Viertausend, und wie viele Körbe voll ihr da eingesammelt habt? Warum begreift ihr denn nicht, daß ich nicht von Brot gesprochen habe, als ich zu euch sagte: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer?“ (Mt. 16, 9-11)

3. Der Morgendienst

Der Morgendienst umfasst mehrere Gebetszeiten. Der prophetische Lichtersegen geschieht morgens außerhalb der liturgischen Ordnung, gar vor dem Sakristeigebet – um die Wache der Mitternachtstunde zu verdeutlichen, der Stunde der erhofften und plötzlichen Ankunft des HErrn. In diesem Licht wird das abgekürzte Gebet der Nachtwache gesprochen und mit „Gepriesen sei, der da kommt im Namen des HErrn.“ abgeschlossen.

Es ist aber immer noch die Nacht, denn unsere Sünden und Vergehen verfinstern die Liebe des HErrn und schwächen uns im Glauben und Hoffen, uns alle, die wir der Fülle der Kirche Jesu gedenken, um von der göttlichen Macht geheiligt zu werden. Darum sprechen wir bereits in der Frühe das Sündenbekenntnis.

Im Licht der Morgenröte gedenken wir sodann des Lichtes der neuen Schöpfung, welches sich in der Entstehung der Welt schattenhaft andeutete, und über dem Heilskelch preisen wir den HErrn für die gemeinsame Frucht vom Weinstock und der Rebe, die Heilsverkündigung von Ihm und von uns, und nehmen teil an der Erwartung, bis er wieder von der Frucht des Weinstocks im Reich seines Vaters mit uns trinken wird. Immer noch in der Morgenröte und im Schein des 7-armigen Leuchters, der 7 Geister Gottes und des Zeugnisses seines Presbyteriums lesen wir die Schriften, welche vor seiner Ankunft verfasst und dem ausgesonderten Manna gleich zu unserer Erbauung aufgehoben wurden.

Der Glaube und das Glaubenszeugnis unserer heiligen Taufe haben uns den HErrentag nähergebracht, und nun wird der Leuchter ausgelöscht und für den Abend zugerüstet. Die 1. Tagesstunde begrüßen wir mit dem biblischen Lob, mit der biblisch bezeugten Preisung der himmlischen Liturgie und mit dem Psalm, um anschließend in derselben Stunde unsere Bitten, Gebete, Fürbitte und Danksagung dem Weihrauch gleich darzubringen.

Die morgentliche Betrachtung soll uns sodann durch den ganzen Tag hindurch begleiten, damit wir nicht nur mit den Lippen, sondern auch mit dem ganzen Leben den bezeugen, von welchem wir die Kunde vernommen haben. Mit dem neutestamentlichen Loblied Zacharias wird wie sonst üblich in der Kirche der Morgendienst abgeschlossen, in welchem Gott gebenedeit wird, sowohl ob seiner Verheißungen, als auch wegen des Retters, in welchem uns das Licht des neuen Lebens aufleuchtete, damit wir den Propheten gleich mit Wort und Beispiel von seiner erneuten Ankunft Zeugnis geben.

4. Der Gebetsdienst

Die Verrichtung des Mittagsgebets, welches wir als den alltäglichen Gebetsdienst kennen, ist wochentags freigestellt und gilt traditionell als eine zusätzliche Gebetsversammlung. An den HErrentagen ist dieser Dienst hingegen traditionell geboten. Der theologische Hintergrund dieses besonderen Gottesdienstes ist die Begebenheit beim Prozeß vor dem Richterstuhl des Pontius Pilatus: „Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Du sagst es.“ (Mt. 27, 11)

Die alttestamentliche Typologie oder der Schatten dieses Dienstes sind die Zusatzlämmer des Schabbats, das Licht jedoch ist der wahre Gott und wahrhaftige Mensch, welcher vor dem Statthalter seine Königswürde bestätigt. Sowohl Gott in seiner ganzen Fülle ist in den heiligen Schriften Israels und der Kirche als Erlöser bezeugt, als auch der auferstandene HErr in derselben Herrlichkeit als Retter erwiesen. Dies bezeugen wir mit dem doppelten Sündenbekenntnis und mit dem biblischen Ruf „Der Du über Cherubim thronst, erscheine!“ Auch gilt als Kantikum der urkirchliche Hymnus der Entäußerung (Kenosis) Jesu aus dem Philipperbrief im 2. Kapitel, wo der geistliche Sinn des HErrentagsdienstes zusammengefaßt ist – Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der HErr“ - zur Ehre Gottes, des Vaters. Ob wir nun auch wochentags den Dienst mit „Heiliger Gott, erbarme Dich unser“ eröffnen, oder ab dem Mittag mit „Lamm Gottes, erbarme Dich unser“, immer bleibt die Grundlage dieser zusammengefassten Anbetungszeit dieselbe – der Lobpreis unseres Friedefürsten und Königs Jesu Christi.

Der priesterliche Dienst sonntags vormittags, in welchem die eucharistischen Gaben der Vorwoche entfernt werden, will uns darauf aufmerksam machen, dass das HErrenmahl zwar vor dem furchtbaren Leiden des Sohnes Gottes eingesetzt und wir dabei seiner Hingabe bis zum Tod gedenken, wir aber in der darauffolgenden Eucharistie am Vollendungsmahl der vollendeten Welt teilnehmen, geeint mit dem Lamm, das uns im Blut des eigenen Leibes die Himmel aufschloss. Die Anamnese dieser Eucharistie, also das Gesamtgedächtnis der ganzen Feier, welche einst ein Abendmahl war, erneuert uns im Glauben, ein Mittel der Vollendung und das eschatologische Sakrament greifbar zu haben, das Unterpfand unseres Gebets und unseres Lebens, nicht nur für die Zeit, sondern für die Ewigkeit.

5. Der Nachmittagsdienst

Im Dienst zur Todesstunde Jesu, welcher ab der neunten Tagesstunde als Gottesdienst des vorgeweihten Altarsakramentes der Eucharistie gepflegt wird, erinnert uns die liturgische Feier an den Lebensbaum im paradiesischen Garten Eden, dessen Frucht zur Unsterblichkeit nährt. Am Holz des Kreuzes hing die Leibesfrucht Mariens – Jesus, der sich selbst in der wahrhaftigen eucharistischen Gegenwart (Realpräsenz) als wahre Nahrung des ewigen Lebens hingibt. Im Wasser seiner Seite getauft und gewaschen im Blut der Eucharistie, erfahren wir die Hinleite zu einem gesegneten geistlichen Leben. Da einigt sich die Welt der Engel mit uns zum All des Lichtes, in welchem wir den Engeln gleich mit Gott und seiner Gegenwart verbunden werden, um der ewigen Anbetung näher zu kommen.

Die Psalmen dieses Dienstes sind die Wallfahrtslieder zum Tempel des HErrn, zum Haus des Gebets, wie der HErr Jesus den Tempel nennt, Gradualpsalmen oder die Lieder an den Stufen der Himmel.

6. Der Abenddienst

Christus ist unser Passahlamm. Er ist das Abendlamm unseres Heils kraft seiner vollkommenen Hingabe, was im Abendopfer betrachtet und im Sündenbekenntnis des Abenddienstes ausgelebt wird. Bei der Zusammenfassung der Gebetszeiten ersetzt der kürzere Nachmittagsdienst als die traditionelle Abendkommunion das sog. Brandopfer, – das Sündenbekenntnis und das Gebet der Hingebung im Abenddienst.

Selbst die Abendlesung wird noch vor der abendlichen Anzündung des Leuchters und dem Friedenssegen des Abendlichtes gelesen. Dieses geweihte und gesegnete Abendlicht vertreibt sodann die Schatten des Todes und des Grabes, wie das zuvor gelesene Licht des göttlichen Wortes, damit wir uns im eschatologischen Lobpreis unseres Heils erfreuen und ohne Furcht vor der Nacht, die uns umgibt, bestehen.

Der Abenddienst wird mit dem Nachtgebet fortgesetzt, wo das 4-fache Gebet gleich dem Abendweihrauch die Anliegen, Fürbitten und Danksagung im bittenden Geist vor Gottes Antlitz erhebt, denn der Tag der Rettung hat sich genaht und das Reich des Todes hat uns nicht besiegt. Die Gebetsanliegen begleiten uns in der Betrachtung der Verheißung Jesu, dass das Reich des Todes die Kirche niemals besiegen wird (Mt. 16, 18) – denn in Christo sind wir unsterblich geworden.

Auch wenn an uns der Geruch der Verweslichkeit noch haftet, stärkt uns das Versprechen unseres Gottes, dass wir zur Unsterblichkeit auch jene Verwandlung erfahren sollen, welche uns zur Gottesschau befähigt. Von dieser Heiligung legt die Abendbetrachtung Zeugnis ab, so daß wir mit dem Lobpreis der Gottesgebärerin den nächtlichen Abenddienst (die Nachvesper oder das Completorium) beschließen.

Übrigens – der Abenddienst an einfachen Wochentagen gilt als die letzte liturgische Ordnung des betreffenden Tages und nur vor Gedenk-, Fest- und HErrentagen als der erste Gottesdienst des nachfolgenden Tages.

7. Die Nachtwache

Vor den HErren- und Festtagen verrichten wir einen besonderen Gottesdienst – die Nachtwache. Wie die bisherige Zusammenfassung des allzeitlichen Gebets, so ist auch die Zusammenfassung des Abend- und Morgendienstes in der sogenannten ganznächtlichen Wache im byzantinischen Euchologion bemerkenswert beschrieben. Für die Vigilfeier, welche in diesem Euchologium als der Dienst der fünf Brote (Mt. 14) verstanden wird, wird am Altar ein Behältnis mit fünf Broten aufgestellt, ostwärts davor die brennenden Kerzen, westwärts ein Tellerchen mit Weizen, zur Rechten ein Gefäß mit Wein und zur Linken mit Öl. Hiermit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass unser Gottesdienst auch der Verkündigung dient und eine geistliche Speisung ist. Immerhin sammelte man nach der Speisung der 5000 zwölf Körbe voll, was dem Sinnbild des ewigen Israels entspricht.

Statt einer solchen bildlichen Darstellung verrichten wir in der Nachtwache dasselbe geistlich. Der Weizen am Altar ist nach einem Gleichnis Jesu mit dem Wort Gottes zu vergleichen – wie das Himmelskorn in der Wüste, das man Manna nannte. Ohne Zubereitung war das Manna nicht genießbar und musste zur Speisung verarbeitet werden. Anschließend wurde es gekocht oder gebacken – im Bild der Nachtwache zu 5 Broten verarbeitet.

Wie der Weizen, um Frucht zu tragen, im Boden stirbt – welcher nach der Auslegung unseres HErrn der Erde, somit dem Menschen (dem Adam – dem Irdischen) entspricht –, so trägt das eingepflanzte Korn des göttlichen Wortes durch die Überwindung des Todes als vielfältige Frucht (pleroma – Fülle) die Geistesgaben, die zur Erbauung der anderen dienen. Aus dem Zeugnis unseres Lebens, welches der Frucht des Weinstocks und der Rebe entspricht, und kraft der priesterlichen Salbung des göttlichen Öls des Heiligen Geistes, ist das Brot der Vigil die Gabe der Amtsgnade in der Betrachtung des vierfachen Amtes, wo wir den Mitgläubigen auf der Glut der Liebe Christi im Geiste der Anbetung von Gott und seinem Wort eine geistliche Erbauung darreichen.

So dienen wir gleich den Cherubim, die mit dem Thron des Höchsten, den sie tragen, zu einer Einheit verschmelzen. Die Einheit der beiden Naturen Christi wird folglich in unserem Wachedienst erfahrbar, so dass der Nachtdienst uns zu einem himmlischen Dienst befähigt: – mit den Engeln zur Nachtzeit einen neuen und ewigen Tag seiner Gegenwart zu feiern, dessen wir gläubig harren. Dieser Dienst ist, obwohl er in der Nacht gefeiert wird, ein Dienst des Morgens nicht nur des nächsten vergänglichen, sondern auch jenes abendlosen Tages, wenn sich gemäß der Treue unseres himmlischen Vaters und Gottes alles erfüllen wird, was uns seine Güte verheißen hat.

 

 


Den pastoralen Beitrag

Der siebenfache Dienst der Anbetung Gottes

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