Judentum

  Vorzeit Quadragesimä

   Ruhetag

  Quadragesimä 1

  Quadragesimä 2

  Osterzeit

  Geistlich


Vom sechsten zum achten Tag
   ga

Denn wir, die wir gläubig geworden sind, gehen in die Ruhe ein, wie er gesagt hat.
(
Hebr. 4, 3)

  Neue Lieder 2


Dank sei Dir, Vater!

1. Dank sei Dir, Vater, für das Licht, für den Tag! * Für das All, himmlische Weite, * die Dich umfaßte. * Dank sei Dir, Gott!

2. Dank sei Dir, Vater, für den Weg in dem Sohn! * Für das Werk aus Geist und Leben, * das uns gegeben. * Dank sei Dir, Gott!

3. Dank sei Dir, Vater, für das Volk Deiner Wahl! * Für´s Zeugnis Deiner Propheten, * Deiner Erwählten. * Dank sei Dir, Gott!

4. Dank sei Dir, Vater, für Jesus, unser Heil! * Für das Wort Deiner Vergebung * aus der Hingebung. * Dank sei Dir, Gott!

Der kirchliche Tag des HErrn

Wie Gott sechs Tage lang Himmel und Erde erschaffen hat und am sechsten Tage ruhte, so wurde auch dem Volk Gottes das Gebot gegeben, am siebten Tage zu ruhen und aufzuatmen. Während für die Juden der siebente Tag zum Ruhetag wurde, wurde für die Kirche der achte Tag, der Tag nach dem Sabbat, zum 'Tag des HErrn', an welchem die Auferstehung gefeiert wurde. Dieser wurde in der christlichen Haushaltung zum Ruhetag. Es geht bei diesem Tag nicht nur um ein Ausruhen des Leibes, sondern des inneren Menschen.

Denn der Mensch bemüht sich an den sechs Tagen ja nicht nur darum, sein Brot zu verdienen, sondern auch darum, Gott zu gefallen. Selbst Kain brachte Opfer, und musste dem Gotteswillen in gewisser Weise auch gehorsam sein, als er dem Fluch davonlaufend, seine Ruhe in seinen Werken suchte: im Bauen von Städten und kulturellen Leistungen.

Immer wieder will ja gerade der 'fromme' Mensch eine religiöse 'Leistung' bringen, und ohne es zu wollen, gleicht er in seinem Verhalten dem Kain, dessen Opfer aus den Feldfrüchten bestand, die er in mühseliger Arbeit angebaut hatte. Das grosse Vermächtnis des HErrn, dass wir seiner gedenkend das Brot brechen sollen, befreit uns nicht nur von unserem eigenen Tun, sondern gibt dem Menschen eine Möglichkeit, ohne Eigenleistung in das göttliche Wesen einzutreten. Durch dieses Tun erhalten wir Anteil an dem, was Christus für uns getan hat, aus dem Brechen des Brotes kommt der Geist und entsteht jene geheimnisvolle Gemeinschaft, die wir Kirche nennen. So ist die sonntägliche Eucharistiefeier jener Akt, der für uns eigentlich jeden Tag hinsichtlich der 'Rechtfertigung' zum Ruhetag machen will.

Die Eucharistiefeier ist Grundlage und Kennzeichen jeder christlichen Gemeinschaft, allerdings nicht deren einzige Tätigkeit. Das göttliche Verhalten des Menschen kommt aus der Gottes- und Selbsterkenntnis, und solange es an beidem noch mangelt, bleiben im wesentlichen drei Dinge: in allem die Liebe walten zu lassen, Geduld zu haben, die Hoffnung zu bewahren. Die zuvorkommene Liebe gebietet auch den besonderen priesterlichen Dienst, die täglichen geistlichen Opfer im Morgen- und Abenddienst der Kirche.

Der grosse Sabbat am Ende der Zeiten

Nach der jüdischen Zeitrechnung befinden wir uns heute am Ende des sechsten Jahrtausends nach der Schöpfung, und der sechste Tag ist nach dem alten jüdischen Wissen ein Höhepunkt der Entwicklungskräfte dieser Welt. Das Ende des sechsten Tages enthält somit auch immer etwas krisenhaftes, denn hier entscheidet es sich, ob der Mensch in die Gottesruhe eingehen kann. Es ist der 'Rüsttag' für den Sabbat, und für die Menschheit als Ganzes besteht die Frage, ob sie die Schwelle hinein in das neue Zeitalter überschreiten kann.

Der achte Tag der Kirche

Auch der christliche Sabbat muss von einer Krise erschüttert werden. Denn der Gläubige kann und soll nicht für immer nur hoffen und beten. Es ist die Zeit der höchsten menschlichen Entwicklung unter dem Zeichen der Zahl 6, wenn gleichzeitig die begrabenen Hoffnungen und verschütteten Erkenntnisse sich Bahn brechen werden.

Drei Erkenntnisse nennt der Mystiker Jakob Böhme die entscheidenden: Die Gotteserkenntnis, die Erkenntnis des Sündenfalls und die Erkenntnis der Neugeburt. Der Mensch hat Himmel und Hölle in sich; den Himmel muss er finden und von der Hölle muss er sich befreien. Nach dem 'sich befreien lassen' des siebten Tages muss der aktive Schritt zum achten Tage erfolgen, dies ist die Frucht des siebten Tages. Es ist der Erzengel Michael, der mit seinen Engeln den Drachen aus dem Himmel wirft. Michael heisst: Wer ist wie Gott? Das Geheimnis seiner Kraft besteht darin, in das selbstlose Wesen Gottes einzutreten. Wenn dieses Tun einsetzt, werden die befreite Frau, der Drache und die Tiere, alle diese mythologischen Gestalten der Offenbarung erkannt und sichtbar werden. Hier vollzieht sich der Abschluss des Gerichtes am Hause Gottes.

Die Wiedergeburt aus Wasser und Geist! Das Sakrament der Taufe ist hierfür ein Bild und Angeld. Aber es ist das göttliche Wesen selbst, in welches der Mensch eintauchen wird, in welchem er sein Selbst verliert und zu einem lebendigmachenden Geiste wird. Es gibt das neue Bewusstsein, nachdem sich viele sehnen. Es gibt dasselbe aber nicht ausserhalb jenes Menschensohnes, der uns in sich selbst, mit seinem eigenen Fleisch und Blut, heilt und ernährt, bis wir die Neugeburt erfassen können.

   Juden


Das Heil kommt von den Junden
   ga

Bereits zu den Samaritern musste der HErr sagen: 'Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.' Die Bewohner Samarias, das 'Nordreich' Israels nach der Spaltung unter Rehabeam, hatten sich vom ursprünglichen Gottesdienst Israels entfernt, und so mit der Zeit auch die Gotteserkenntnis verloren. Denn Erkenntnis heisst 'Erfahrung', und die Erfahrung Gottes ist nur da möglich, wo Gott sich nach seinem Entschluss erfahren lässt.

Der Gottesdienst aber basiert auf dem Leben, welches Gott gewidmet ist, und diese Widmung geschieht wiederum in bestimmten Formen und Formeln, welche gebraucht und weiter überliefert werden.

Die Kirche hat sich schon früh daran gewöhnt, sich als das rechtmässige Volk Gottes zu betrachten, hat seinen Bezug zum Judentum zu einem grossen Teil verleugnet und hat die Juden sogar feindselig behandelt.

'Das Heil kommt von den Juden': dieser Satz wird allgemein so gepredigt, dass man darunter nur den Glauben an Jesus Christus versteht. Er als der Heilbringer, die heilige Familie und die ersten Jünger, das sind die einzigen, auf die man diesen Satz noch bezogen hat. Mit dem historischen Ereignis des Sühnopfers am Kreuz, mit Ostern und Pfingsten, scheint für viele die Bedeutung dieses Satzes erledigt zu sein. Dass der Messias ein Jude war und zuerst auch zu den Juden ging, ist für die meisten wenig bedeutungsvoll. Über die Lebenspraxis, wie der HErr und wie die ersten Jünger Gottesdienst gehalten haben, ist wenig überliefert. Mag sein, dass dies den Verfassern der Evangelien zu selbstverständlich war, um viel darüber zu schreiben, mag sein, dass die Evangelien auch entsprechend zensiert wurden: das WIE der Glaubensausübung ist im Neuen Testament nicht enthalten, und das WIE und WOHER des christlichen Kults wurde im Laufe der Zeit seiner Wurzeln beraubt.

Was für den Gottesdienst gilt, gilt ebenso für die Bibelauslegung. So haben wir Christen zwar heute eine Bibel, über weite Strecken auch ein gemeinsames Dogma und Bekenntnis, aber wir wissen eigentlich nicht, wie wir zueinander finden sollen. Es geht nicht nur um die Trennung der Konfessionen, sondern auch die Trennung, welche unter denen vorhanden ist, welche gemeinsam zur Kommunionbank oder zur Predigt gehen. Wir meinen, dass wir Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten, aber wo bleibt die Erfahrung mit Gott?

Während die Christen in der Trennung gefangen sind, blieben die Juden über die Jahrtausende eine Einheit. Auch wenn es innerhalb der Juden verschiedene Lehrrichtungen und Strömungen gibt (wo zwei Juden sind, gibt es bekanntlich drei Meinungen): im Prinzip wissen sie WIE sie zusammen feiern und sie wissen auch WAS sie von Gott und vom Leben zu erwarten haben, und dieses Wissen begründet wiederum das WIE, es erhält die praktische Seite der Überlieferung.

Bei den Juden gibt es viele dogmatische Richtungen, wie auch aus den Evangelien ersichtlich ist. Nicht alles ist Gold, was da glänzt, und aus dem Zusammenhang gerissen, gibt es dort viele unsinnige Erzählungen und Legenden. Und doch hat dieses Volk die Last und das Privileg, jener 'Ölbaum' zu sein, in welchen wir als Heiden-Christen für etliche Jahrhunderte eingepfropft worden sind; ihre Sprache, ihre Kultur entspricht ursprünglich der Wurzel des Baumes, während wir davon nur das für uns Wichtigste angenommen haben.

 

  Unsere Wurzeln


Die Wurzel, die uns trägt
   ga

Wenn jedoch einige der Zweige ausgebrochen sind, du aber, der du von einem wilden Ölbaum stammst, unter ihnen eingepfropft worden bist und an der saftreichen Wurzel des Ölbaums mit Anteil bekommen hast, so rühme dich nicht wider die Zweige; rühmst du dich aber wider sie, so wisse: nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich. (Röm.11,17.18)

Dass die Christen heute geistlich nicht viel zu sagen haben, liegt sowohl daran, dass man vergessen hat, dass sie ein lebendiges Haupt im Himmel haben, und dass sie auch die Grundlagen ihrer Weisheit verloren haben.

Zu vieles wurde schon gepredigt, was mit dem ursprünglichen Evangelium nichts oder nur wenig zu tun hat. Der falsche Same wurde schon sehr früh gesät (Mt. 13, 24ff), und es scheint ein Ratschluss in der Heilsgeschichte darin zu liegen, dass auch die Frucht dieses Samens sichtbar werden muss, und dass es den Gerechten auferlegt ist, dies zu ertragen, bis sie dahin gelangen, wo sie den Ankläger überwinden (Offb.12,10.11). Wenn dieser Punkt erreicht wird, ist die Erlösung greifbar. Dann muss auch die 'natürliche' Feindschaft zwischen Juden und Christen ein Ende nehmen, welche in der Eifersucht des einen und in der Überheblichkeit des anderen liegt.