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Aufbruch im Glauben

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Gott zu erfahren, ist die einzige Grundlage, welche dem Glauben die wahre Festigkeit verleiht. Denn wir glauben nicht an ein unbekanntes Wesen, welches in der Ferne verborgen wäre. Gott nennen wir „unser Vater“ und reden ihn mit Du an, weil wir ihm begegnet sind – nicht nur im Sakrament und im Geist, sondern auch in der Gemeinschaft der Kirche. Im Gottesdienst und auch in anderen Versammlungen, wo wir unseren Heiligen Vater ansprechen, erleben wir in der Einheit mit dem Gesalbten, dem Messias oder Christus, unsere Einheit – als sein geheimnisvoller Leib. Denn der Geist hat uns in die Sohnschaft Jesu gestaltet, damit wir Gott begegnen. Wir sind fähig, im Nächsten Christus zu erkennen, und zwar dann, wenn wir an uns selbst das Werk des Heiligen Geistes bemerken – und in der Kommunikation, im Miteinander, sei es mit Blicken, Gesten oder Worten, begegnen wir Gott in Freundlichkeit und Hochachtung. Das letzte Wort, Hochachtung, ist nicht zu hoch gegriffen! Lieb und Freundlich zum Nächsten zu sein, ist eher die übliche Verhaltensweise. Sich gegenseitig mit Wertachtung zu begegnen, wie es auch unser liturgischer Brauch ist, vermittelt uns das Besondere am göttlichen Wesen – seine majestätische Größe!

Gott können wir also nicht so einfach im Nächsten erfahren wie unseren Heiland. Wir begegnen ihm nur dann, wenn uns der Ernst in dem Augenblick so packt, dass wir Gott in seiner verborgenen und doch vornehmen Gegenwart erkennen. Deshalb verstehen wir die Gabe der Gottesfurcht nicht als Angst vor Gott – er ist ja doch unser liebender Vater! Sein Werk an und unter uns ist uns so lange verborgen, bis uns die Nähe unseres Gottes in dessen Herrlichkeit bewusst wird – obwohl etwas vor unseren Augen geschieht, werden wir es nicht „sehen“, d.h. erkennen, weil es wie selbstverständlich wirkt. Auch das Gesprochene dabei, seien es Worte oder Seufzer, werden wir nicht wahrnehmen – alles so lange, bis uns Augen und Ohren offen sind, in Demut und Bescheidenheit. Der Demütige senkt sein Haupt und in seinem geistlichen Blickwinkel wirkt auch das Niedrige wertvoll. Der Bescheidene nimmt jede Zuwendung dankbar an. Davon spricht Jesus im Evangelium vom 16. HErrentag nach Pfingsten: „Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?“ (Mt. 6, 26f )

Der HErr leitet uns nicht zur Sorglosigkeit, sondern zu einer Betrachtung an. Unter dem Wort „Vögel“ in seinem Gleichnis verstehen wir nicht Tiere, sondern eher Menschen, welche sich nach prophetischer Erfahrung sehnen, damit ihr Glaube nicht eine Frucht ihrer Fantasien sei, eine Ansammlung von Überlegungen und Schlussfolgerungen, sondern eine Speise der Himmel. Und dieses Leben als eine Gabe zu verstehen, bedeutet mehr, als die Ewigkeit zu suchen. So ist es auch mit den übrigen Worten Jesu: mit der Kleidung verbinden wir ein Statusdenken – die Kleidung, in welche uns Gott birgt, ist das Leben mit allen Menschen in unserer Umwelt, wo wir aufgrund unseres Verhaltens beachtet werden, und weniger durch große Zeugnisse und Worte. Die Lilien und das Gras verwelken und vergehen und werden nur so lang als Schmuck in der Zeit empfunden, solange sie die Schönheit ihrer Frische besitzen. Wenn sie aber vergangen sind, bleibt die Erinnerung, wie auch wir uns in der Zeit und dem Raum zu erkennen gegeben haben.

Deshalb setzt der HErr seine Rede fort: „Euch aber muß es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt. 6, 33) Das Reich Gottes erfahren wir zunächst im Bündnis, in welchem wir stehen. Es ist die Gesinnung unserer Einheit, die sich auf dem Bundesschluss gründet, im Blut unseres Erlösers. Nicht nur Freundschaft oder Sympathie einen uns, sondern der Bund im Blut Christi. Ja, sein Blut macht uns zu einer besonderen Familie, in welcher Gott unser Vater ist.

Deshalb ist uns die letzte Aufbruchswoche wichtig, damit uns aus der Speise und dem Trank von den Himmeln alles andere dazugegeben werde, wessen wir bedürfen. Dann wird unser Glaube eine Folge unserer Erfahrung sein, mit Gott im göttlichen Werk tätig zu sein. Äußerlich mögen wir wie sonst wahrnehmbar sein, aber vor den Augen Gottes sind wir dann wirklich erneuert – oder wie uns Paulus suggeriert: „Es kommt nicht darauf an, ob einer beschnitten oder unbeschnitten ist, sondern darauf, daß er neue Schöpfung ist.“ (Gal. 6, 15)

 

 

 

 

 

Gebet vom 16. Sonntag nach Pfingsten


Wir bitten Dich, o HErr, bewahre Deine Kirche durch Deine beständige Versöhnung; und weil die Schwachheit der Sterblichen ohne Dich fällt, so erhalte uns immerdar durch Deine Hilfe frei von allem, was uns schaden könnte, und leite uns zu allem, was unserm Heile dienlich ist; durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unseren HErrn, der da lebt und herrscht mit Dir, in der Einheit des Heiligen Geistes, ein Gott, in Ewigkeit. Amen.

 

 

 

 

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