Geistliches Leben
Zum liturgischen Bereich

Vorzeit Quadragesimä



Wir bitten Dich, o HErr, erhöre gnädig das Flehen Deines Volkes; wir werden ja mit Recht für unsere Sünden gezüchtigt – darum bitten wir Dich, befreie uns in Deiner Barmherzigkeit, um der Ehre Deines Namens willen. Amen.



Wochengebet ab Sonntag Septuaagesimä

Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern...

Um von Gott die Absolution verlangen zu können, ist, wie bei jeder persönlichen Beichte auch, vom Büßer zuallererst die Vergebung des an ihm begangenen Unrechts erforderlich. Die Art und Weise wie wir dieses Gebot des HErrn umsetzen, ist gleichzeitig der Maßstab der Gnadenerweisung Gottes an uns.

weiter

Vorzeit Quadragesimä

Wir wissen, daß der Absolutionszuspruch in den liturgischen Diensten lediglich der Fußwaschung entspricht, in welcher wir uns, in der priesterlichen Versammlung mit unserem Hohenpriester Christus, zum liturgischen Dienst befugt empfinden. Zwar ermöglicht uns die liebende Absicht Gottes, trotz aller Sünden und Fehltritte, seine Güte zu erfahren, und die Erklärung unserer Zulassung befähigt uns, in der Stunde des Gottesdienstes dem Heiligen zu begegnen. Sie hebt jedoch jenen Schaden nicht auf, für welchen Gott in seiner Gerechtigkeit bürgt.

weiter

Erste Schritte zum Osterfest

ur

Es ist seit jeher die Gewohnheit, dass jene, welche Ostern feiern, sich auf das Hochfest nicht nur mit Fasten und Beten, sondern vornehmlich durch die Lesung der Hl. Schrift mit einer inneren Einkehr und Betrachtung vorbereiten. Manche Mitchristen hören oder lesen diesbezügliche Bibeltexte in der Osternacht, dann aber nur die ausgewählten Kapitel, wie sie in der jüdischen Pessachfeier üblich sind. Warum liest man in dieser Zeit überhaupt die Bibel ab dem ersten Buch der Entstehung (Genesis) bis zum zweiten Buch des Auszugs (Exodus), gar bis zum dritten Buch (Leviticus) Moses?

Das österliche Hochfest gründet in einem unmittelbaren Gebot Gottes, alljährlich des Auszugs aus der Sklavenschaft hin zur Freiheit feierlich zu gedenken. Der hebräische Begriff Pessach oder Pas|cha bedeutet eigentlich – Vorübergang und lenkt unsere Blicke in den Vorabend des Auszugs, als der Todesengel die Erstgeburt Ägyptens heimsuchte. Das Herz des Pharaos war so lange hart und der Befreiung der Hebräer abweisend gegenüber, bis ihn die Verschonung der Erstgeborenen der Hebräer davon überzeugte, dass es Gott der HErr ist, der sein Volk aus seiner Hand forderte. Daraufhin ließ der Pharao das Volk Gottes gehen – in die Wüste.

Unser Sklavenhaus, die Haushaltung der Sterblichkeit, stammt aus der sog. ersten Entstehung. Über dem Schöpfungsbericht liegt ebenso, wie über allen Schriften des alten Testamentes nach paulinischem Zeugnis ein Schleier (2. Kor. 3, 13-18), welcher sich bei einfacher Lektüre solange nicht aufheben lässt, bis man die umgestaltete Erscheinung des auferstandenen Heilands Jesu Christi gläubig wahrgenommen hat. Unsere Befreiung entsteht in der Erscheinung des Himmelreichs, in der Umgestaltung (Metamorphose) unseres ganzen Wesens nach der Gestalt eines neuen und vollendeten Menschen (adam eschaton), welchen im verklärten Licht einige Apostel am Berg Tabor wahrnahmen. Im Licht der Gottheit sahen die Apostel den Sterblichen und begriffen, dass nicht die klugen Reden und Auslegungen der Schrift, sondern der göttliche Glanz des Lebens sie zu überzeugen vermochten (2. Pet. 1, 16-19), der Glanz, welcher sowohl an einem Sterblichen, der zu unserer Erlösung als Erstgeborener einer neuen Schöpfung starb, als auch an einem Entrückten und an einem Toten, dessen Leib im Grabe ruhte, wahrnehmbar war.

Durch die erste Schöpfung hindurch sind wir fähig, zum Geheimnis unserer leiblichen Erlösung zu gelangen, indem wir kraft des Glaubens dem Erstling der Entschlafenen im Geist begegnen. Denn seit dem österlichen Morgen ist der Tagesstern, der Leben und Frieden verkündet aufgegangen. Entschleiert lesen wir die Berichte der Hl. Schrift, von der Entstehung und vom Auszug, im vollen Bewusstsein, dass wir vom Tod und vom Todesengel befreit, durch die Wüste dieses vergänglichen Lebens zum verheißenen Land der Ewigkeit wandern, – gestärkt in der Hoffnung der Leibeserlösung, nämlich unserer eigenen Auferstehung. Es kräftigt uns auf dieser Wanderung das Manna des Wortes Gottes (des Logos – siehe Joh. 1), sowohl in der Prophetie, als auch im Sakrament des Leibes und Blutes Christi. Ja, wir sehnen uns danach, die Umgestaltung, die Vorauferstehung zu erfahren, nämlich die Erscheinung der Erstlinge der Auferstandenen, losgelöst von jeglicher Bindung und Schuld, gar soweit, dass wir nach der Weise Jesu auch jenen mit Freimut Schuld und Ungerechtigkeit vergeben, welche uns Unrechtes angetan – denn sie wissen nicht, was sie tun.

Im Hafen des Heils – eigentlich in den Händen unseres himmlischen Vaters – sind wir durch die geheimnisvolle Einheit des Leibes Christi im Stande, die Vorzeit unserer Befreiung zu betrachten, nicht nur die Vorzeit des österlichen Kirchenjahres, sondern auch die Vorzeit unseres Glaubens. Wenn unsere Blicke den kommenden Befreier wahrnehmen, der uns die Gnade der Umkehr und Bekehrung schenkt, wird jeder HErrentag, welchen wir sonntags feiern, zum Morgenlicht des achten Wochentags, wo die Morgenröte einen abendlosen Tag anbrechen lässt. Dadurch wird auch unser Osterfest hell und erbaulich, ein Feiertag der Ankunft des Himmelreichs.

Zum Portal