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O du, Volk des Höchsten, bist du dir dessen bewusst – „Wer dich segnet, wird gesegnet!“. Den Segen hast du von dem empfangen, der mit vollkommenem Segen gesegnet ist, vom auferstandenen, verherrlichten und in den Himmeln aufgenommenen, verklärten HErrn, vom Erlöser, der dich bis zum Tod liebte – und über den Tod hinaus. Jesus aus Nazaret, der Christus deines Heils will dich auf seine Schulter nehmen, wie ein Hirt das junge Lamm trägt. Aber er ist das Opferlamm deines Lebens – das Lamm trägt dich in seiner Gestalt, das Osterlamm trägt dich, weil du ein bedürftiges Lamm bist, wie die Neugeborenen. Aus der neuen Geburt des neuen Lebens bist du wiedergeboren, du, Kirche Gottes und unsere Mutter. Deshalb beten wir für dich – wir segnen dich, damit auch wir gesegnet werden. Dieser Spruch der Lesung im Morgendienst am 2. Sonntag nach Ostern führt uns in den HErrentag hinein, in den Sonntag des Hirten, des Guten!
Er, unser Retter erscheint vor dem Antlitz unseres Vaters als das Lamm des Vorübergangs (Pas|cha), wie auch wir uns daselbst wie ein Lamm des Schlachtopfers in unserer Sterblichkeit empfinden. Deshalb wagen wir es, mit Christus Jesus vereint, Gott als Vater anzubeten und anzurufen. Der Heilige ist der Vater unseres ganzen Wesens – wir sind Ihm nachgebildet, zum Ebenblid Gottes sind wir gestaltet. Gottes Sohn ist Licht aus Licht, damit wir aus seinem Leben lebendig werden. Er ist Gott aus Gott, damit wir des göttlichen Erbes fähig und würdig werden. Er ist der vollkommene Mensch, der Menschensohn, damit auch wir zu vollendeten Menschen werden, zu würdigen Menschenkindern, welche der Menschheit mit Herz und Liebe dienen. Er ist unser Haupt und wir sein heiliger Leib, damit durch diese Einheit dem ganzen Kosmos die höchste Gabe Gottes zuteil werde, der Friede, welchen die Welt von sich aus nicht zu geben vermag. Er ist der Gute, damit wir in seinem Werk seine Güte offenbaren und alle Menschen Gott erkennen, um den Vater im Himmel zu verherrlichen. Er ist der Hirte aller Herden, um all jene zu einen, die Gemeinschaft suchen, sei dieselbe im Leben oder im Glauben – und wir sind seines Hirtenamtes teilhaftig geworden, gesalbt von Gott zu einem Priestertum, zu einem einigen Amt Jesu, damit im priesterlichen Dienst unsere Welt geheiligt werde, befriedet zum Recht der Königskinder, zu gleichwertiger Würde aller Menschen. Und wir erwarten deshalb, dass Gott, unser Vater und unser König erscheine, damit die Gerechtigkeit in Fülle uns beglücke.
Dies sah der Seher deutlich, so dass wir im Dienst des HErrentags in der Lesung vor unserem HErrn (Num. 24, 17) vernehmen: „Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblicke ihn, aber nicht in der Nähe: Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel.“ Was er noch nicht sah, haben wir geschaut und steht vor unseren Augen – der Leib des HErrn, der aus der Todesüberwindung heraus besteht, die vollendete Gemeinschaft aller Getauften. Auch wenn die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche so unvollkommen die Zeiten beschreitet, glüht ihr Herz aus dem Leben des Auferstandenen und trägt die Gaben der zukünftigen Herrlichkeit, die geistlichen Gnadengaben. Was der Geist bewirkt, kann man nur mit geschlossenen Augen betrachten, wie der alttestamentliche Seher. Aber im Gottesdienst des Wortes und des Sakramentes erfahren wir die Vollendung an eigener Seele und am eigenen Leib und Geist – und wer will, kann schon heute trotz der kirchlichen Schwäche Kraft erfahren, die Vollzahl aller Getauften, nämlich Gott unter den Seinen. Denn wir glauben und verkündigen, was alle, jederzeit und überall je verkündet und geglaubt – wofür sie eben gelebt haben. So ist in unserem Wesen bereits das nächste, aber auch das neue Geschlecht erfahrbar, das ewige Geschlecht der Priester und der Könige. Denn was so klein und schwach, gar leicht zu vernichten begann, wuchs durch Gott auf und wird herrlich vollendet werden.
Unser Sinn richtet sich nicht nach Bekenntnis oder Zugehörigkeit zu einzelnen Gemeinschaften. Vielmehr sind wir von einer Herde überzeugt, wie von einem Hirten. Unsere Feier der Heiligen Eucharistie ist keine private Feier, weil keines der Sakramente, die Christus stiftete, kann als Eigentum der im Glauben Geteilten und Zerrissenen verstanden werden. Alle Gnadenwerke der Sakramente sind göttlich – das Eigentum der katholischen Kirche. Wir nehmen an verschiedenen Orten nur an einem Altar teil, an der Vollendungseucharistie, wenn unser HErr wiederum von der Frucht des Weinstocks trinken wird. Zwar ist die Eucharistie ein Gedächtnis seines Leidens, aber auch der Verdienste, in welchen der Neue Bund verankert ist. Die Feier dieses Sakramentes verbindet der wirkende Heilige Geist mit der Vollendung, mit jenem Tag, an welchem die Gemeinschaft aller Heiligen in Erscheinung tritt – oder wie es unser Guter Hirte sagt: „Und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.“ (Joh. 10, 16)
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