Geistliches Leben
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Vorzeit Quadragesimä



Gott, Du siehst, wir gewinnen aus keinem unserer Werke Zuversicht; – darum bitten wir Dich, verleihe in Huld, daß der Beistand des Völkerlehrers, Deines Heiligen Geistes, uns gegen alles Widrige schirme, durch denselben Geist, in welchem Du mit Deinem Sohne, Jesu Christo, ein Gott bist, in Ewigkeit. Amen.



Gebet Sexagesimä

Erste Schritte zum Osterfest

Im Hafen des Heils – eigentlich in den Händen unseres himmlischen Vaters – sind wir durch die geheimnisvolle Einheit des Leibes Christi im Stande, die Vorzeit unserer Befreiung zu betrachten, nicht nur die Vorzeit des österlichen Kirchenjahres, sondern auch die Vorzeit unseres Glaubens. Wenn unsere Blicke den kommenden Befreier wahrnehmen, der uns die Gnade der Umkehr und Bekehrung schenkt, wird jeder HErrentag, welchen wir sonntags feiern, zum Morgenlicht des achten Wochentags, wo die Morgenröte einen abendlosen Tag anbrechen lässt. Dadurch wird auch unser Osterfest hell und erbaulich, ein Feiertag der Ankunft des Himmelreichs.

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Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern...

Um von Gott die Absolution verlangen zu können, ist, wie bei jeder persönlichen Beichte auch, vom Büßer zuallererst die Vergebung des an ihm begangenen Unrechts erforderlich. Die Art und Weise wie wir dieses Gebot des HErrn umsetzen, ist gleichzeitig der Maßstab der Gnadenerweisung Gottes an uns.

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Vorzeit Quadragesimä

Wir wissen, daß der Absolutionszuspruch in den liturgischen Diensten lediglich der Fußwaschung entspricht, in welcher wir uns, in der priesterlichen Versammlung mit unserem Hohenpriester Christus, zum liturgischen Dienst befugt empfinden. Zwar ermöglicht uns die liebende Absicht Gottes, trotz aller Sünden und Fehltritte, seine Güte zu erfahren, und die Erklärung unserer Zulassung befähigt uns, in der Stunde des Gottesdienstes dem Heiligen zu begegnen. Sie hebt jedoch jenen Schaden nicht auf, für welchen Gott in seiner Gerechtigkeit bürgt.

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Bund Abrahams und seine Kinder

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Zu dieser besonderen vorösterlichen Vorzeit gehört die Betrachtung unserer Entstehung und unseres Bundes mit Gott. Die leiblichen Vorfahren des Volkes Gottes gehen zwar auf die Ureltern zurück, auf Adam und Eva, und doch will der göttliche Geist, dass wir weder sie noch Abram als leibliche Vorfahren betrachten. In Ismael hätte die leibliche Linie ihre natürliche Fortsetzung gefunden, und dies nur in einem gewissen Sinn – Abram als tatsächlicher Vater und Sarai als Adoptivmutter. Unser Bündnis mit Gott und unser Glaube beinhaltet jedoch mehr als eine reine Erscheinung Gottes. Zum Wesen dieser göttlichen Haushaltung gehört auch die Verheißung. Sarai traute ihren Ohren nicht, als sie vernahm, dass sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters eine leibliche Mutter werden sollte. Der Weg einer nicht ganz natürlichen Empfängnis soll ein übernatürliches Werk bezeugen, das Werk des göttlichen Schöpfers.

Gott zu trauen und zu glauben bewog folglich Abram, mit einem Bundesopfer auf die göttliche Verheißung zu antworten. Er teilte die Opfergabe des Bundes und wandte die Schlachthälften zueinander. Seit diesem Uropfer sollen wir bei jeder Darbringung unseres Gottesdienstes an zwei Teile denken – der eine gehört Gott, der andere dem menschlichen Darbringer. Beim Schlachtopfer dieses Bundes sehen wir mehr als eine Opfergemeinschaft von Gott und Mensch – daselbst betrachten wir bereits die Einheit der beiden, in Jesus Christus, dem wahren Gott und wahrhaftigen Menschen. Auch in der neuen Bundesfeier des Schlachtopfers Jesu teilen wir das abgesonderte und geweihte Brot, welches zu unserem Heil gebrochen wird. In der Brotbrechung wird der geweihte Leib Christi nach der Weise Abrams geopfert – ein Teil für Gott und der andere für den Opfernden. So empfangen die Vergöttlichten (theosis), welche wir die Gemeinschaft der Heiligen nennen, den Opferteil Gottes als dessen geheimnisvoller Leib, als die Kirche Gottes, und die Priester den menschlichen Anteil – sie dienen ja im dreifachen Auftrag des Leibes Christi. Denselben nennen wir auch geistlich, da sie geheimnisvoll im Sakrament ihres Amtes den ganzen Erlöser vergegenwärtigen, im verweslichen Fleisch vor seinem Tod, im verwandelten Auferstehungsleib vor seiner Himmelfahrt und im verklärten oder umgestalteten Leib vor seiner Wiederkunft.

Erst später wurde Abram zu Abraham, ähnlich wie Saulus zu Paulus, als ihm „die Schuppen von den Augen“ fielen und er den Sohn von Sara in den Händen hielt. Zwar zuvor umbenannt, vor der Geburt Isaaks, und dem Alten Bund entsprechend beschnitten, konnte er sich als der Glaubende mit der Leibesfrucht von seiner Ehefrau als Abraham empfinden, als der Vater der Menge – was sein neuer Name besagte. Und gerade in der Beschneidung des Fleisches verbirgt sich ein eigentümliches Schaubild unseres Heils.

Im Alten Bund waren nur die Männer unmittelbar mit Gott kraft ihrer leiblichen Beschneidung verbunden. Die Mütter wurden hingegen auf zweifache Weise in diesem Bund beteiligt. Durch ihre Erwählung waren sie zu Trägern der Verheißung auserkoren, da ein Hebräer nur durch eine hebräische Mutter zur Welt kommt, auch dann, wenn der Vater kein Hebräer ist, wie wir es am Beispiel des Timotheus in der Apostelgeschichte St. Lukas vernehmen können. Andererseits wurde sie durch die Beschneidung ihrer männlichen Leibesfrucht geheiligt, da Frauen unbeschnitten waren. In der Geburt und Beschneidung Christi wurde nicht nur Maria als Gottesgebärende und Mutter geheiligt; – obwohl Jesus seiner Herkunft nach der Himmlische ist, der Messias oder Christus Gottes, heiligt die leibliche Herkunft Mariens auch Abraham, den Urvater des Bundes, und alle seine Nachfahren bis zur Geburtsstunde des Heilands. Denn die Verheißung eines Neuen und ewigen Bundes galt dem einen Nachkommen Abrahams, und nicht vielen. Nur durch den einen und einzigen Christus konnte der Neue Bund in kraft treten – durch die Erfüllung der Verheißung.

Deshalb verstehen wir uns als von Jesus ausgewiesene mütterliche Gemeinschaft, heilig und gesegnet, nicht durch eigene Glaubenswerke, sondern durch die Heilstaten Gottes in der Haushaltung der Geheimnisse, die wir Sakramente nennen. In diesem geweihten und geheiligten Fleisch ähneln wir dem aus dem Boden gebildeten, dem fruchtbaren Adam, wie es schließlich im Evangelium zu Sexagesimä (Lk. 8, 15) heißt: „Auf guten Boden ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort mit gutem und aufrichtigem Herzen hören, daran festhalten und durch ihre Ausdauer Frucht bringen.

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