Geistliches Leben
Zum liturgischen Bereich

Pfingstkreis


Erhöre uns gnädig, o HErr, und weil Du uns ein herzliches Verlangen zu beten gegeben, so verleihe, daß wir in aller Gefahr und Widerwärtigkeit durch Deine mächtige Hilfe geschützt und getröstet werden; durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern HErrn, der da lebt und herrscht mit Dir, in der Einheit des Heiligen Geistes, ein Gott, in Ewigkeit. Amen.



Gebet vom 4. Sonntag nach Pfingsten

Gott – Gastgeber und Bräutigam

Ein Fest, zu welchem keiner von den Geladenen kommen wollte, wird am 3. Sonntag nach Pfingsten im Evangelium des Tages verkündet. Dabei betrachten wir keineswegs, ob sie für das Festmahl würdig seien oder nicht! Wir wollen in der nachfolgenden Wochen verinnerlichen, dass uns der Glaube auf andere Wege bringt, oder wie es der Ruf für die Woche zusammenfasst: Der HErr ward mein Beschützer, Er führte mich hinaus ins Weite, brachte mir Rettung, weil Er mich liebt.

weiter

Die Zeit nach Pfingsten

Es wirkt so, als würde die Zeit nach Pfingsten ab dem Dreifaltigkeitssonntag in den Jahreskreis hineingeschoben, um die Lücke zwischen den Festzeiten zu überbrücken. Dass dieselbe nicht eine Lücke darstellt, verraten uns die göttlichen Lesungen. Während wir in der ganzen Zeit ab Pfingsten bis zum kirchlichen Neujahr, dem Advent, abends in der Anbetung die Evangelien lesen und betrachten, scheint dieselbe Zeitspanne im Morgendienst zweigeteilt zu sein: in der ersten Hälfte der Zeit nach Pfingsten lesen wir, wie einst der HErr Jesus in den Synagogen der Juden, die Zeugnisse der Propheten.

weiter

Des Einen Geistes Kinder

Gott als Vater erfahren wir in der Gabe des Heiligen Geistes – versetzt in das Geheimnis der Kirche, des einen Leibes Christi, werden wir dem Sohn der Herrlichkeit nachgestaltet, dem Auferstandenen, um mit Ihm unauflöslich verbunden, mit unserem Haupt Jesus, der Vollendung entgegen zu schreiten. Aus seiner Fülle haben wir empfangen, die Gaben des Höchsten und die Liebe des Dreieinigen, unseres Gottes.

weiter

Trennung des Sakralen vom Weltlichen

ur

Die gewaltsame Verschleppung des alttestamentlichen Bundesvolkes, dessen erneute Versklavung und die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem, all diese Ereignisse werden in nur einem Begriff zusammengefasst – Babylon. Die ehemalige Stadt der Verwirrung der Sprachen und des Glaubens schickte sich damals an, auch den Bund Gottes anzugreifen. Der Herrscher Babels wählte dabei nicht den religiösen Weg seiner falschen Götter, sondern die Macht seines Reiches und seines Heeres. Die im Bundesglauben geschwächten und politisch gespaltenen Hebräer waren eine leichte Beute. So erlosch ein Staat, dessen Stärke einmal seine Liebe und Anhänglichkeit an seinen Gott war.

Deshalb steht Babylon keineswegs für eine geistliche Schwäche des Bundesvolkes oder für einen Zustand, welcher auf die Kirche in ihrem niedrigen Zustand anwendbar wäre! Babylon ist ein Synonym für jede weltliche Macht, die auf Gewalt ihre Herrschaft gründet. Dabei ist es unerheblich, ob Einzelne oder Mehrheiten in einer Gesellschaft rücksichtslos und herrschsüchtig Minderheiten oder Mehrheiten bezwingen wollen. Selbst dann, wenn solche Beherrscher das Recht auf ihrer Seite haben, können sie zurecht als das Babylon unsrer Tage bezeichnet werden. Die wahre Macht hingegen kennt andere Herrschaftsmittel: Rücksichtnahme, Respekt, Gerechtigkeit und Milde. Sowohl der Agnostizismus dieser Tage als auch der Unglaube, welcher die Frage aufwirft – ob es einen Gott gibt –, zeigt nur eines an, dass das Heilige aus unseren Herzen mit allem Weltlichen, das uns umgibt, nicht zu einen ist. Die Säulen der Wirtschaft und des Konsums können ebenso wenig Gerechtigkeit fördern, wie der laue Geist unserer Zeit. Zwar leben wir darin, ernähren uns mit dem Ertrag unserer Hände und pochen auf unsere Menschenrechte, doch wir werden in diesem System nicht wirklich satt. Die Ernten erscheinen reichlich und üppig, da immer weniger Menschen hungern müssen. Auch die Lebensumstände ermöglichen es den meisten von uns, sich durch Versicherungen, Renten und geregelte Urlaubs- und Arbeitszeiten in Sicherheit zu wiegen und einen Wohlstand zu genießen. Doch dem Sinn des Lebens und der Gesundheit eines sterblichen Leibes hilft es wenig – all das ist nur ein Ertrag, von welchem es im eucharistischen Vordienst heißt: „Kommt nach Babel vom Ende der Erde! Öffnet seine Speicher, werft alles auf einen Haufen zusammen, wie man Haufen von Korn aufschüttet. Dann gebt es dem Untergang preis; kein Rest soll ihm bleiben.
(Jer. 50, 26)

Die Frage, ob es Gott gibt, brauchen wir uns nicht zu stellen. Der Gott unseres Bundes ist erschienen und wurde von vielen Augen gesehen. Denn Er kam nicht in der Vision einiger Propheten, verborgen und nicht wahrnehmbar, sondern öffentlich und begreifbar. Wie niemand ernsthaft Beweise für die Existenz der französischen Revolution und für ihre Führer braucht, so brauchen auch wir keine Gottesbeweise. Die Folgen des Aufstands jenes zentraleuropäischen Staates sind zum Selbstverständnis jeder Staatlichkeit im heutigen Europa geworden. Ebenso verhält es sich mit den Folgen der Erscheinung unseres Gottes: der Alte und der Neue Bund ließen Geschlechter entstehen, Märtyrer und Gläubige aller Zeiten, deren Zeugnis ihre Saat sprießen lässt, auch dann, wenn nur ein Rest verbleibt. Von der babylonischen Weltmacht jedoch soll es keinen Rest geben – sie wird verschwinden wie die Macht der Kaiser und Könige oder des kommunistischen Proletariats und seiner Revolution, von denen heute nicht mehr übrig ist als Erinnerungen an üble Zeiten und schlechte Erfahrungen. Statt der Weide der „Gerechten“, deren Zahl Jesus im Sonntagsevangelium mit hundert angibt, erleben wir im Heiligtum, wie unser Irrweg in der Wüste endet: „Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, läßt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.“ (Lk. 15, 4-6)

Ja, mögen wir, die wir mit Gott verbündet sind, abirren, – seine Barmherzigkeit ist weit größer, und seine Gnade unfassbar. Anstatt uns auf die Weide zurückzuführen, will uns Christus auf seine Schultern nehmen, uns vom Boden erheben und in sein Haus tragen. Sein Haus ist nicht irdisch und vergänglich, sondern himmlisch und ewig, und die so Emporgehobenen werden dann nicht mehr fähig sein, krank und schwach zu werden oder zu sterben – im Haus Gottes herrscht Leben in Fülle und eine unbeschreibliche Freude. Es wird einmal keine zwei getrennte Reiche geben, welche unvereinbar miteinander wären – wie das Himmelreich und die Herrschaft unsrer Zeit –, sondern die Unvereinbarkeit wird überwunden werden von der Einheit der Liebenden, Gottes und seiner Kinder und Geschöpfe. Und damit dies auch in unserer Zeit erfahrbar sei, mahnt uns der Apostel: „Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist. Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch.“ (1. Pt. 5, 6f)

Zum Portal