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Meine Augen schauen immerdar zum HErrn; Er ist es, der meinen Fuß befreit aus der Schlinge. (Ps. 25, 15)
Dem besonderen Aspekt der Taufgnade ist der 3. Sonntag Quadragesimä gewidmet – dem allgemeinen Priestertum. Im HErrentagsdienst wird vor dem HErrn gelesen – Jetzt aber, wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein. Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören. Das sind die Worte, die du den Israeliten mitteilen sollst. (Ex. 19, 5-6) Diese göttliche Verheißung bezeichnet ein Volk, welches den Namen unseres geistlichen Vaters Jakob trägt, „Israel“ (Gottesstreiter), nicht nur einen Stamm, den priesterlichen Stamm Levi, auch nicht nur einen Überrest Israels – die Juden. Vielmehr wird dem göttlichen Bund das ganze Volk in priesterlicher Heiligkeit einverleibt. Bereits zur Zeit Jesu gab es jedoch diese Volksgemeinschaft aller 12 Stämme nicht mehr. Etliche Teile davon hatten die Identität eines göttlichen Volkes verloren – sie wußten nicht mehr, wer ihr Gott ist und was Er für sie getan hat. Ein besonderes Merkmal ihres Unglaubens war, daß sie an die Auferstehung der Toten nicht mehr geglaubt hatten. Sie wurden durch viele Propheten zur Umkehr ermahnt, von der Zeit ihrer Trennung bis zur Predigt Jesu. An diesem Sonntag soll aber der Spruch berücksichtigt werden – Und zu Lo-Ammi (Nicht mein Volk) sage ich: Du bist mein Volk (Ammi)!, und er wird sagen: Mein Gott (Elochi)! (Hos. 2, 25c)
Von der heiligen Gestalt dieses Volkes legt die Abendlesung besonderes Zeugnis ab – Das Gesetz enthält nur einen Schatten der künftigen Güter, nicht die Gestalt der Dinge selbst. – Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt. (Hebr. 10, 1a & 14) Ein heiliges Volk ist es, geheiligt durch ein einmaliges Opfer, und mit den Gütern der Vollendung ausgestattet. Wenn man folglich von einem geistlichen Israel spricht, redet man immer vom Bund des Heiligen Geistes. Der Bündnisgedanke liegt in der besonderen Eigenschaft der Fülle (pleroma) des Geistes, der einmal neunfach im Werk (Kor. 12), siebenfach in der Salbung (Jes. 11, 2) und zweifach in der Göttlichkeit ist. Da der Geist vor unserem Angesicht Christus der HErr ist (Kla. 4, 20), dessen Erscheinung zweifach bekannt wird – als wahrer Gott und wahrhaftiger Mensch – erleben wir die Wirklichkeit des Heiligen Geistes ebenso zweifach, als den Geist des Vaters und des Sohnes. Und wie Christus untrennbar der eine ist, ist auch der Heilige Geist der eine, der die göttliche Einheit ausmacht. Einer solchen Vergöttlichung werden auch die Geistbegabten zugeführt – zu einer Einheit mit Gott, so daß man daher von einem geistlichen Israel spricht. Diese Einheit wird im Abenddienst auch als sein heiliger Leib verkündigt – Darum spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt: Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir geschaffen. (Hebr. 10, 5)
Der Sinn des Gesetzgebers, um die Weisung Gottes zu verstehen, ist jene Gnade unserer heiligen Taufe, durch welche wir neu belebt werden durch den Heiligen Geist. Um uns mit Gott und Christus zu einen, ist er geheimnisvoll ausgegossen in unsere Herzen – Das bezeugt uns auch der Heilige Geist; denn zuerst sagt er: Das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit ihnen schließe - spricht der HErr: Ich lege meine Gesetze in ihr Herz und schreibe sie in ihr Inneres. (Hebr. 10, 15-16) Unsere Herzen werden zu seiner Wohnstatt im doppelten Sinn erbaut, als der Tempel der Heiligkeit in der Taufe, und als die Wohnung der Gnadenabsicht in der Versiegelung. So leitet uns die eucharistische Epistel zur Nachahmung Gottes an, in welcher Jesus mehr bewirkt, unsere Vollkommenheit.
Als ein heiliges priesterliches und königliches Geschlecht sollen wir einem geistlichen Bau gleichen, aus welchem der böse Geist vertrieben ist. Wie unter Moses Beistand nach dem Bericht im Morgendienst (Ex. 17, 8-16) die Gottesstreiter siegten, ist uns der Sieg geschenkt! Statt 7 unreinen Geistern Wohnstätte in unserem Innern zu bieten – wovor der HErr nach dem Zeugnis des Tagesevangeliums warnt (Lk. 11, 14-28) – sind wir siebenfach mit dem Heiligen Geist gesalbt. So soll unser Inneres einem vollen Haus gleichen, wo in unserer Christusähnlichkeit dem Bösen der Zugang verwehrt ist. Diese wahre Befreiung aus dem Netz des Jägers läßt uns gemeinschaftlich aufatmen, im Bewußtsein, das Volk zu sein, welches seine Augen zu seinem Befreier emporhebt und bekennt – mein Gott bist Du.
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