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Gedenke, o Gott, Deiner Gnade, die waltet von Anbeginn! Erlöse Dein Israel aus all seinen Nöten. (Ps. 25, 6a & 22)
Im Bilde des Auszugs Israels aus dem Sklavenhaus Ägyptens bewegt sich unser Glauben, Denken und Handeln am Quatemberwochenende des 2. Sonntags Quadragesimä. In gewissem Sinn wird der Sühnedienst der heiligen Nachtwache erst in der Osternacht abgeschlossen. Sowohl in allen nächsten Tagesdiensten, als auch in der Ostervigil, beschreiten wir Neuland – den ausgetrockneten Meeresgrund. Sinnbildlich ist dies jener Boden, welchen die Völker einem Meer gleich bedecken, und erst dann freigeben, wenn Gott sie zur Seite schiebt. In ihrer Teilung entsteht ein Pfad eines neuen Lebens, der Weg in das Land der Ruhe – Denn wir, die wir gläubig geworden sind, kommen in das Land der Ruhe, wie er gesagt hat: Darum habe ich in meinem Zorn geschworen: Sie sollen nicht in das Land meiner Ruhe kommen. Zwar waren die Werke seit der Erschaffung der Welt vollendet; denn vom siebten Tag heißt es an einer Stelle: Und Gott ruhte am siebten Tag aus von all seinen Werken; hier aber heißt es: Sie sollen nicht in das Land meiner Ruhe kommen. (Hebr. 4, 3-5)
Die Teilung bedeutet in diesem Sinnbild keineswegs eine Unterscheidung zwischen dem Heiligen und Nichtheiligen. Es ist die Teilung zweier Haushaltungen – des 7. und des 8. Tages, der Haushaltung der leiblichen Erholung und der Haushaltung der geistlichen Ruhe. Die überlieferte Leseordnung ermahnt uns mit dem Hebräerbrief, den Exodus auf eine bestimmte Weise zu betrachten – Darum wollen wir beiseite lassen, was man zuerst von Christus verkünden muß, und uns dem Vollkommeneren zuwenden; wir wollen nicht noch einmal den Grund legen mit der Belehrung über die Abkehr von toten Werken, über den Glauben an Gott, über die Taufen, die Handauflegung, die Auferstehung der Toten und das ewige Gericht; das wollen wir dann tun, wenn Gott es will. (Hebr. 6, 1-3)
Der trockengelegte Weg führt uns in der Feier des HErrentags in das Haus des lebendigen Gottes, in die himmlische Heimat. Es ist ein Zugang, welcher unter dem Völkermeer verborgen liegt, d.h. Augen zu haben, und das Werk Gottes nicht zu sehen – ebenso Ohren zu haben, und Gottes Stimme nicht zu vernehmen. Durch die Erhebung der mosaischen prophetischen Hand (Sinnbild Jesu und seines Apostolates) wird der Pfad sichtbar, weil es ein Weg der Verheißung ist, und keinesfalls der Glaubensausübung. Zum Glauben gehört die Ruhe des Leibes (als Vorbild des Friedensreiches unseres himmlischen Königs – das Geheimnis des 7. Tages) – die Verheißung erfüllt sich jedoch in der labenden Erholung des Geistes im Himmlischen. Denn erdulden müssen wir alles, was wir nicht wollen – die Frucht der Falschheit aus der unehrlichen Verkündigung des Evangeliums in der Kirchenspaltung, die Verführung der selbsterwählten Menschensatzung als die Glaubenswillkür aus der weltlichen Weisheit und die dämonische Anfechtung. Uns erbaut aber der Sühnedienst unseres Hohenpriesters Jesu Christi, wovon die verordneten Tageslesungen Zeugnis ablegen (Hebr. 4, 14 bis Ende und das ganze 5. Kapitel) – und im Sinnbild des Auszugs wird uns auch der Sieg verkündigt: „Das Wasser kehrte zurück und bedeckte Wagen und Reiter, die ganze Streitmacht des Pharao, die den Israeliten ins Meer nachgezogen war. Nicht ein einziger von ihnen blieb übrig. Die Israeliten aber waren auf trockenem Boden mitten durch das Meer gezogen, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. So rettete der HErr an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter. Israel sah die Ägypter tot am Strand liegen. Als Israel sah, daß der HErr mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte, fürchtete das Volk den HErrn. Sie glaubten an den HErrn und an Mose, seinen Knecht.“ (Ex. 14, 28-31)
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